Kommunale Krankenhäuser Tarifverhandlungen erneut vertagt

Die Ärztestreiks an den kommunalen Krankenhäusern gehen in die dritte Woche. Trotz neuer Tarifverhandlungen sollen sie noch ausgeweitet werden. Marburger Bund und Arbeitgeber haben ihre Gespräche erneut vertagt.


Düsseldorf - Auch nach zwei mehrstündigen Gesprächsmarathons in Düsseldorf haben die Tarifpartner noch keinen Durchbruch erzielt - und sich auf Montag vertagt. Beide Seiten zeigten sich aber verhalten optimistisch, in der neuen Runde zu einer Lösung kommen zu können. Die Delegationen der Ärztegewerkschaft und der Kommunen hatten bis zum frühen Samstagmorgen zunächst 15 Stunden und dann bis in die Nacht hinein noch einmal zwölf Stunden lang versucht, eine Lösung des Tarifkonflikts zu finden.

Für bessere Arbeitsbedingungen: Montag beginnt die dritte Streikwoche
DPA

Für bessere Arbeitsbedingungen: Montag beginnt die dritte Streikwoche

In dem Streit geht es um die Forderung des Marburger Bunds nach mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen für die 70.000 Ärzte an den kommunalen Kliniken. Nach der Vertagung Gespräche auf Montag, 12.00 Uhr, kündigte die Organisation eine Ausweitung der Streiks an.

Marburger-Bund-Sprecher Athanasios Drougias erklärte, die Verhandlungsrunde habe sich bis dato sehr schwierig und zähflüssig gestaltet. "Hier wurde nichts verschenkt, im Gegenteil, um jede Zahl und um jeden Satz wurde hart gerungen", betonte er. Gesprochen worden sei insbesondere über die zukünftige Vergütung, die allgemeinen Arbeitsbedingungen und über die Arbeitszeiten der Krankenhausärzte.

Beide Tarifpartner zeigten nach wie vor den klaren Willen, den Tarifkonflikt mit einer Einigung zu beenden. Bis dahin würden die Ärzte-Streiks wie geplant fortgesetzt. Der Verhandlungsführer der Ärzte-Gewerkschaft, Lutz Hammerschlag, sagte, der Arbeitskampf werde erst gestoppt, "wenn ein fertiger Tarifabschluss auf dem Tisch liegt". Indes seien beide Seiten dabei, sich Stück für Stück aufeinander zuzubewegen. Einige "große Steine" seien bereits weggeräumt worden.

Der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Otto Foit, sagte, es seien zahlreiche Themen angesprochen worden, darunter die Tabellenstruktur, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten der Ärzte. Die Materie sei aber "außerordentlich schwierig". Die Arbeitgeberseite hatte zuvor erklärt, es sei zwar kein offizielles Angebot vorgelegt worden; dennoch tausche man Zahlen aus, die durchgerechnet würden. Die Arbeitgeber hatten immer wieder auf die knappe Finanzlage der Kommunen verwiesen.

Seit zwei Wochen streiken die Mediziner an den städtischen Krankenhäusern für mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und einen eigenen arztspezifischen Tarifvertrag. Als Vorbild gilt der Abschluss für die rund 22.000 Ärzte an Unikliniken, auf den sich Gewerkschaft und Arbeitgeber nach mehr als dreimonatigem Streik am 16. Juni geeinigt hatten. Dieser sieht deutliche Gehaltszuwächse, eine bessere Bezahlung von Ruf- und Bereitschaftsdiensten sowie eine Reihe von Regelungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor.

ler/AP



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