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05. Januar 2009, 12:04 Uhr

Konjunktur

China kämpft um jedes Prozent Wachstum

Auch die chinesische Wirtschaft kann sich dem Abwärtssog der Weltkonjunktur nicht entziehen. Selbst das fast 600 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm reicht nach Befürchtungen von Experten nicht aus, die Abkühlung aufzuhalten.

Shanghai - Noch ist es kein Kampf um die Substanz, wie er viele Regierungen westlicher Industriestaaten umtreibt. Gleichwohl ist die Situation ernst: Wegen des schwächeren Exports sei in China in diesem Jahr wohl nur noch ein Wachstum von acht bis neun Prozent zu erwarten, sagte der Chefvolkswirt des State Information Centre, Fan Jianping.

Textilproduktion in Suining: Unter Druck stehen vor allem die Exporteure
REUTERS

Textilproduktion in Suining: Unter Druck stehen vor allem die Exporteure

Für 2008 geht sein Institut von einem Plus von 9,3 Prozent aus. 2007 war die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 11,9 Prozent gewachsen. "Die Abkühlung beim Wachstum wird eine Weile anhalten", wird Fan in der amtlichen "Shanghai Securities News" zitiert. Der Abwärtstrend könne aber in der zweiten Jahreshälfte enden.

Unter Druck stehen vor allem die Exporteure. Sie leiden unter der weltweit sinkenden Nachfrage infolge der Finanzkrise. 2008 und 2009 könnte dies zusammen rund 25 Millionen Arbeitsplätze in der Exportbranche kosten, sagte Fan. "Aber die Bestrebungen der Regierung, die Binnennachfrage zu steigern, könnten die negativen Folgen des langsameren Exportwachstums teilweise ausgleichen", sagte der Chefvolkswirt.

Zu den Initiativen der Regierung zählt auch das Hilfsprogramm für die Autobranche. Vorgesehen seien Steuernachlässe beim Autokauf und Anreize für die Entwicklung umweltfreundlicherer Fahrzeuge, berichtet die "Shanghai Securities News". Auch solle die weitere Konsolidierung der Branche gefördert werden. Die Regierung in Peking wolle die konkreten Maßnahmen im ersten Vierteljahr 2009 vorstellen.

Allerdings werden bereits erste indirekte Warnungen laut, dass Peking zuviel Geld in die Wirtschaft pumpen könnte. "2009 wird das Problem unausgewogener Einnahmen und Ausgaben auftreten", sagte der chinesische Finanzminister Xie Xuren im Staatsfernsehen. Die Einnahmen dürften wegen der Konjunkturabkühlung, sinkender Unternehmensgewinne und Steuersenkungen schrumpfen.

Dennoch wolle China die Steuern für Unternehmen und private Einkommen in diesem Jahr weiter senken, sagte Xie im Staatsrundfunk. Auch die Steuernachlässe für Exporteure sollen erhöht werden, vor allem für solche in arbeitsintensiven Branchen. Die Regierung hatte bereits angekündigt, ein Konjunkturprogramm in Höhe von 585,7 Milliarden Dollar auf den Weg bringen zu wollen.

Die Steuereinnahmen waren im November um 3,1 Prozent eingebrochen. In den Monaten zuvor hatte es noch zweistellige Zuwächse gegeben.

mik/Reuters

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