Konjunktur Deutsche Exporte legen im September zu

Trotz weltweiten Wirtschaftsabschwungs ist die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland im Ausland überraschend gestiegen. Im September exportierten deutsche Firmen Waren im Wert von 87,1 Milliarden Euro. Verbände davor warnen, schlechte Konjunkturnachrichten überzubewerten.


Hamburg - Preis- und kalenderbereinigt exportierten deutsche Firmen 0,7 Prozent mehr als im August, als die Ausfuhren noch um 2,2 Prozent geschrumpft waren, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Damit legten die deutschen Ausfuhren im September trotz Konjunkturschwäche noch einmal leicht zu. Im Vergleich zum September 2007 lag der Export sogar um 6,9 Prozent höher. Die Ausfuhren ins entfernte Ausland legten deutlicher zu als die Exporte in die europäischen Nachbarländer.

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Die Importe stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,1 Prozent auf 72,2 Milliarden Euro. Damit sank der deutsche Handelsüberschuss von 18,2 Milliarden Euro auf 15,0 Milliarden Euro. Die jüngsten Zahlen zum Auftragseingang in der Industrie deuten aber darauf hin, dass sich das Exportwachstum bald abschwächen dürfte. Am Donnerstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, dass der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Vergleich zum August um 0,8 Prozent eingebrochen ist - so schwer wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Führende Wirtschaftsverbände warnten im "Handelsblatt" davor, diese schlechten Konjunkturnachrichten überzubewerten. Der deutliche Rückgang der Auftragseingänge spiegele die abflachende Weltkonjunktur wider, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Dabei seien die deutschen Investitionsgüterhersteller jetzt besonders betroffen, da die Nachfrage nach Maschinen bei Konjunkturabkühlungen stärker zurückgehe als beispielsweise nach Konsumgütern. "Es besteht aber kein Grund zur Panik, noch immer hat die Industrie insgesamt Auftragsbestände abzuarbeiten", sagte Braun. Der DIHK bleibe daher bei seiner Wachstumsprognose von einem halben Prozent für 2009.

"Der September war von Schreckensnachrichten geprägt", sagte der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Olaf Wortmann, der Zeitung. Das habe dazu geführt, dass weniger bestellt worden sei, dürfe aber "nicht überbewertet" werden. Nachdem die Maschinenbauer in den vergangenen fünf Jahren insgesamt ein Produktionsplus von 38 Prozent erzielt hätten, erwarte der Verband 2009 trotz der Konjunkturabschwächung und der Finanzmarktkrise eine Stagnation. Der erwartete Rückgang der bau- und konsumabhängigen Bereiche könne durch das anvisierte Plus der energie- und rohstoffnahen Sektoren ausgeglichen werden. "Gerade in Schwächephasen ist der Bedarf groß, die Energieeffizienz zu steigern", erklärte Wortmann.

kaz/AFP/dpa



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