Konjunktur Deutschland dieses Jahr wieder Exportweltmeister

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird Deutschland im laufenden Jahr zum vierten Mal in Folge Exportweltmeister. Allerdings drohten Branchen wie die Elektronikindustrie international den Anschluss zu verlieren

Berlin - Allein im ersten Halbjahr seien die Waren-Ausfuhren zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf einen Wert von 432 Milliarden Euro gestiegen, hieß es in der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Damit werde Deutschland seine Stellung als wichtigster Güter-Exporteur der Welt das vierte Jahr in Folge verteidigen können. Im Bereich der Dienstleistungen geht der erste Platz traditionell an die USA.

Die exportstärkste deutsche Branche ist mit einem Anteil von rund 20 Prozent die Automobilindustrie, gefolgt von der Chemie mit rund 15 Prozent und dem Maschinenbau mit rund 14 Prozent.

Diese Branchen stützen dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge auch die Exportwirtschaft in Ostdeutschland, die inzwischen zum Motor der dortigen Industriekonjunktur geworden sei. "Auch wenn der Anteil der neuen Bundesländern an den Warenlieferungen aus Deutschland mit fünf Prozent noch immer klein ausfällt, beeinflusst der Warenexport das industrielle Wachstum in den neuen Ländern inzwischen ähnlich stark wie in den alten", schrieben die Hallenser Forscher. Der Anteil der Ausfuhren am Gesamtumsatz liege mit 28 Prozent zwar noch immer deutlich unter dem Durchschnitt der alten Länder mit 42 Prozent. "Die Aufholtendenz ist jedoch unverkennbar", betonte das IWH. 1995 habe die Quote lediglich bei zwölf Prozent gelegen.

Importe wachsen stärker als Exporte

Den gesamtdeutschen Warenexporten standen im ersten Halbjahr 2006 Güterimporte in Höhe von 354 Milliarden Euro gegenüber - das ist ein Plus zum Vorjahreszeitraum von 19 Prozent. Damit legten die Importe deutlich stärker zu als die Exporte. Dies führte das DIW auf die Preissteigerungen bei Erdöl und Erdgas sowie anderen Rohstoffen zurück. Der Saldo der Handelsbilanz ergab dennoch im ersten Halbjahr ein deutliches Plus von 78 Milliarden Euro, was etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht.

Insgesamt bescheinigte das DIW dem verarbeitenden Gewerbe eine relativ gute internationale Wettbewerbsposition. Das gelte vor allem für den Automobilsektor und den Maschinenbau. Zugleich warnte das Institut davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. So hätten die chemische Industrie und die Hersteller elektrischer Geräte deutliche Verschlechterungen ihrer Wettbewerbsposition hinnehmen müssen: "Und bei einigen wissensintensiven, stark wachsenden Branchen wie der Elektronikindustrie ist die Position Deutschlands auf dem Weltmarkt nach wie vor relativ schwach." Zudem, so die Warnung von Volkswirten, sei das deutsche Exportplus durch sinkende Lohnstückkosten und Verlagerung von Vorprodukten ins Ausland, der so genannten Basarökonomie, teuer erkauft.

Deshalb müsse Deutschland seine Innovationsfähigkeit stärken, forderten die Berliner Ökonomen. "Dies setzt hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Humankapital voraus." Länder wie China und Indien hätten dies längst erkannt. Weltweit nehme der Anteil von Menschen mit höherer Bildung zu.

tim/dpa-AFX/Reuters

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