Konjunktur DIW fordert Lockerung der Geldpolitik

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass die Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr nur noch um ein Prozent wachsen wird. Zur Stützung der Konjunktur sollten nach Ansicht der Experten kurzfristig höhere Defizite in Kauf genommen werden.


AP

Berlin - "Ein starres Festhalten an dem vereinbarten Zielpfad bei den Defiziten würde eine Rezession heraufbeschwören." Diese Forderung bedeute nicht zwangsläufig, dass das Ziel des Budgetausgleichs auf längere Sicht aufgegeben werde.

Insgesamt äußert sich das DIW damit noch pessimistischer als andere Forschungsinstitute. Erst für das kommende Jahr sei mit einer spürbaren Erholung der Konjunktur und einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent zu rechnen, schreibt das DIW in seinen "Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2001/2002". Die Bundesregierung geht bisher für 2001 von rund zwei Prozent Wachstum und einer Steigerung auf zweieinviertel Prozent im nächsten Jahr aus.

Darüber hinaus rechnet das DIW im laufenden Jahr mit 2,7 Prozent Preisanstieg im Jahresdurchschnitt. Der Euro-Außenwert werde sich vermutlich im nächsten Jahr festigen.

Auch im Euroraum deute sich für das laufende Jahr eine weitere Verzögerung der gesamtwirtschaftlichen Expansion an. Die Zunahme des BIP werde nur 1,9 Prozent betragen. Zu einer Belebung im Euroraum wird es nach Ansicht der Wirtschaftsforscher ebenfalls erst im Jahr 2002 kommen, die gesamtwirtschaftliche Produktion nehme dann um 2,5 Prozent zu.

Die Beschäftigungsentwicklung werde im laufenden Jahr in Deutschland schwach bleiben. Das DIW rechnet für dieses und das nächste Jahr mit einer Zunahme der Arbeitslosenquote um jeweils 0,5 Prozent. Im Herbst 2002 werde sich die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen voraussichtlich auf rund 3,7 Millionen belaufen. Allenfalls in einzelnen Monaten könne die nicht um Saisoneffekte bereinigte Arbeitslosenzahl rund 3,5 Millionen erreichen. Die Regierung hatte sich ein Absenken der Arbeitslosenzahl unter diese Marke im Bundestags-Wahljahr 2002 zum Ziel gesetzt.

Zur nachhaltigen Überwindung der Konjunkturschwäche schlägt das DIW eine 4-Punkte-Strategie vor. Danach soll die Europäische Zentralbank die Leitzinsen rasch auf 2,5 Prozent senken. Außerdem schlägt das DIW in der Eurozone eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik vor. Dies lasse Lohnerhöhungen von gut drei Prozent zu.

Längerfristig orientierte Tarifverträge könnten überdies das Vertrauen der Geldmärkte in eine stabilitätsgerechte Lohnentwicklung stärken. Vorreiter müssten die deutschen Tarifpartner sein, betont das DIW, "da deren Abschlüsse auf andere EWU-Länder ausstrahlen".



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