Konjunkturprognose EU-Kommission erwartet Frühjahrsaufschwung – und anhaltend hohe Inflation

Trotz anhaltend hoher Inflation erwartet die EU-Kommission einen Aufschwung. Schon im Frühjahr soll die Konjunktur im Euroraum wieder anspringen. Die Teuerung bleibe indes noch eine Weile hoch.
Sitz der EU-Kommission in Brüssel: »Der Preisdruck bleibt hoch«

Sitz der EU-Kommission in Brüssel: »Der Preisdruck bleibt hoch«

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Arne Immanuel Bänsch / dpa

Trotz vorerst weiter hoher Inflation dürfte die Konjunktur der Eurozone laut der EU-Kommission ab dem Frühjahr anspringen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll dieses Jahr demnach um vier Prozent zulegen. Die Brüsseler Behörde sagt in ihrer am Donnerstag aktualisierten Prognose zugleich für 2022 eine weit höhere Preissteigerungsrate voraus als noch im Herbst angenommen: Sie soll auf 3,5 Prozent klettern und damit weit über die Zielmarke der EZB von zwei Prozent hinausschießen. Damit erwartet die Kommission eine höhere Inflation als die EZB. Diese war Anfang Februar von drei Prozent ausgegangen.

Der Prognose der EU-Kommission zufolge sollen die Preise in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Schnitt sogar um 4,8 Prozent steigen. Das liegt knapp unter dem Rekordstand von 5,1 Prozent in der Eurozone vom Januar. »Der Preisdruck wird wahrscheinlich bis zum Sommer hoch bleiben«, warnte EU-Kommissar Paolo Gentiloni.

Im Herbst war die EU-Kommission noch von einer Inflationsrate von lediglich 2,2 Prozent für 2022 ausgegangen. Laut dem EU-Kommissar dürfte mit dem Nachlassen von Lieferengpässen und nur noch moderat steigenden Energiepreisen ab dem Herbst jedoch mit einer Entspannung zu rechnen sein.

2023 sei zu erwarten, dass das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent dann mit einer Inflationsrate von voraussichtlich 1,7 Prozent wieder unterschritten werde. »Dennoch: Unsicherheit und Risiken bleiben hoch«, räumte der Wirtschafts- und Währungskommissar mit Blick auf Störfaktoren wie Pandemiegeschehen und die Krise im Osten Europas ein.

Wachstumsprognose für 2022 leicht gesenkt, für 2023 erhöht

Trotz der hohen Inflation, die Unternehmen und Verbraucher belastet, rechnet die Behörde mit einem Aufschwung in der Währungsunion. Sie senkte zwar ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 4,3 auf 4,0 Prozent, hob sie dafür aber für 2023 von 2,4 auf 2,7 Prozent an. »Starker Gegenwind hat die europäische Konjunktur in diesem Winter abgekühlt: die rasche Ausbreitung von Omikron, ein weiterer Anstieg der Inflation aufgrund steigender Energiepreise und anhaltende Unterbrechungen der Lieferketten«, sagte Gentiloni.

Der Gegenwind werde aber allmählich nachlassen. »Wir rechnen damit, dass das Wachstum bereits im Frühjahr wieder an Fahrt gewinnen wird«, sagte der Italiener. Alle Mitgliedstaaten dürften im Laufe des Jahres ihr Vorkrisenniveau wieder erreichen. Für Deutschland senkte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 4,6 auf 3,6 Prozent, hob sie aber für 2023 von 1,7 auf 2,6 Prozent an.

sol/AFP/Reuters
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