Konjunktur Glos korrigiert Prognose auf unter zwei Prozent

Zunächst hatte Wirtschaftsminister Michael Glos die Öffentlichkeit nur auf die Risiken für die Konjunktur hingewiesen. Jetzt wurde er konkreter: Im neuen Jahr rechnet er nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent.


Hamburg - Bisher war die Bundesregierung von einem Wachstum von mindestens zwei Prozent ausgegangen, doch nach einigen skeptischen Analysen einiger Konjunkturexperten lässt sich diese Voraussage nicht mehr halten. Heute nannte Glos das Problem beim Namen: "Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen mehrfach nach unten gesenkt. Das kann auch die Bundesregierung nicht übersehen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Für eine genaue Prognose ist es aber noch zu früh. In der Tendenz rechne ich aber mit einem Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent im Jahr 2008."

Bundeswirtschaftsminister Glos: Die Risiken für die Konjunktur sind größer geworden.
DPA

Bundeswirtschaftsminister Glos: Die Risiken für die Konjunktur sind größer geworden.

Die Risiken für die Konjunktur seien größer geworden, ergänzte der Minister. Als Hauptursache nannte er die Immobilienkrise in den USA: "Die Finanzkrise in den USA ist noch nicht überstanden. Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken." Eine große Gefahr sei, dass sich die Kredite für mittelständische Unternehmen verteuerten.

Mit dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) und dem Münchner Ifo-Institut hatten im Dezember gleich zwei renommierte Wirtschaftsinstitute eine Abschwächung der Konjunktur für 2008 vorausgesagt. Das IfW korrigierte seine Wachstumserwartung für das nächste Jahr von 2,4 Prozent auf 1,9 Prozent. Noch skeptischer ist das Ifo-Institut, es geht statt 2,5 Prozent sogar nur noch von 1,8 Prozent Wachstum aus.

Moderate Lohnrunde angemahnt

Kurze Zeit später hatte die Regierung damit begonnen, die Bevölkerung auf Konjunkturrisiken einzustimmen. Glos und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) machten klar, dass insbesondere das Ausmaß der weltweiten Bankenkrise erst 2008 erkennbar sein dürfte.

Ein weiteres Risiko sieht der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard in den Lohnforderungen der Gewerkschaften. Er sprach sich dafür aus, die gemäßigte Lohnpolitik der vergangenen Jahre fortzusetzen. Mit den Tarifforderungen von bis zu acht Prozent riskierten die Gewerkschaften Arbeitsplätze, sagte Wiegard der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die Gewerkschaften könnten sich bei ihren Forderungen nicht auf die Inflationsrate stützen, denn die recht hohe Inflation beruhe auf dem Einmaleffekt der Mehrwertsteuererhöhung und werde 2008 deutlich niedriger sein als zuletzt mit drei Prozent.

"Die Lohnforderungen von bis zu acht Prozent sind gemessen an der Produktivität übertrieben", warnte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

mik/dpa-AFX/AFP



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