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07. Juli 2006, 15:09 Uhr

Konjunktur

Industrieproduktion steigt überraschend stark

Neue Indizien für einen substanziellen Konjunkturaufschwung: In Deutschland ist die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe laut den jüngsten Zahlen weiter gestiegen. Gemessen an den Erwartungen der Experten fiel der Anstieg überraschend deutlich aus.

Berlin - Die Industrie stellte im Mai 1,5 Prozent mehr her, der Bau sogar 3,2 Prozent mehr als im April. Nur die Energiewirtschaft fuhr ihren Ausstoß leicht um 0,2 Prozent zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem gesamten Produktionsanstieg um 0,6 Prozent gerechnet, nachdem sie im April um 1,2 Prozent gestiegen war. Im Zwei-Monats-Vergleich legte die Produktion um 1,4 Prozent zu.

Stahlproduktion: Bestätigung der positiven Erwartungen
DPA

Stahlproduktion: Bestätigung der positiven Erwartungen

Adolf Rosenstock von der japanischen Bank Nomura wertete die Daten als Bestätigung für die überwiegend positiven Erwartungen an den Finanzmärkten: "Der Aufschwung in der Industrie ist im vollen Gang." Positiv sei, dass die Nachfrage auch aus dem Inland komme. Am Donnerstag hatten die Orderdaten für Mai ein Anziehen der Binnennachfrage signalisiert, während die zuletzt starke Auslandsnachfrage schwächer als im April ausgefallen war.

In den Industrie-Sparten schnitten vor allem die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen stark ab: Sie erhöhten den Ausstoß um 2,7 Prozent. Die Konsumgüterhersteller verbuchten ein minimales Minus von 0,1 Prozent, allerdings legten hier die Hersteller von dauerhaften Gebrauchsgütern erneut zu, und zwar um 2,7 (April 3,8) Prozent. Rosenstock sagte, die Zahlen widersprächen der Auffassung, in Deutschland ließen sich Konsumgüter nicht wettbewerbsfähig herstellen.

Erfreulich nannten die Analysten auch das erneut gute Abschneiden der Bauwirtschaft. Diese hatte bereits im April mit einem Plus von fast 18 Prozent die wegen des langen Winters verschobene Produktion teilweise nachgeholt. Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg sagte, der Bau sei lange das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft gewesen: "Nun scheint er sich tatsächlich freizuschwimmen." Die Branchenverbände halten in diesem Jahr mittlerweile ein leichtes Umsatzplus für möglich.

Insgesamt stünden die Konjunkturampeln derzeit auf Grün, zeigten sich die Experten überzeugt. "Zumindest in diesem Jahr kann sich Deutschland aus der Klammer der Stagnation befreien", sagte Huth. Dirk Schumacher von Goldman Sachs sagte, das Inland ziehe an, ob das Ausland schwächer werde, könne man noch nicht sagen. Darüber sollten am Montag die Außenhandelsdaten für Mai weiteren Aufschluss geben. Rosenstock sagte, die WM habe zu dem robusten Bild beigetragen, insgesamt sollte man sie aber nicht überbewerten: "Sie war vielleicht das Sahnehäubchen."

mik/Reuters/dpa/ddp

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