Konjunktur IWF sieht robustes Wachstum der Weltwirtwirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat für das laufende Jahr seine Wachstumsprognose der Weltwirtschaft auf 5,1 Prozent angehoben. Auch in Deutschland brummt es, heißt es beim IWF - wegen der Mehrwertsteuererhöhung werde es im kommenden Jahr aber wieder abwärts gehen.

Singapur - Im Frühjahr war der Währungsfonds noch von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 4,8 Prozent ausgegangen. Für das Jahr 2007 erhöhte der IWF seine Prognose um 0,2 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent. Der IWF sieht für seine Prognose jedoch auch eine Reihe von Abwärtsrisiken.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hob seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr an. Wegen der starken Dynamik im ersten Halbjahr liege es nun mit 5,0 Prozent einen halben Prozentpunkt über der bisherigen Schätzung, teilte das IfW mit. Allerdings rechnen die Experten bereits 2007 mit dem Ende des weltwirtschaftlichen Booms.

Beeindruckt von der Konjunkturentwicklung in Deutschland hat der IWF seine Wachstumsprognose für die Bundesrepublik kräftig angehoben: Zwei Prozent Zuwachs erwartet die Organisation jetzt für dieses Jahr - 0,7 Prozentpunkte mehr als noch im Frühjahr. Damit hat Deutschland unter den Industrieländern die Frühjahrserwartungen am weitesten übertroffen.

"In Deutschland brummt es", sagte Chefökonom Raghuram Rajan bei Vorlage des Weltwirtschaftsausblicks in Singapur. Dort findet die Jahrestagung von IWF und Weltbank mit 24.000 Teilnehmern statt. Für die Zukunft seien aber weitere Strukturreformen nötig, um das Wachstumspotential zu erhöhen. "Sorgt dafür, dass Hartz IV besser funktioniert, damit die Menschen mehr Anreize haben zu arbeiten", riet Rajan. "Reduziert die Unternehmenssteuern." Im Jahr 2007 sollte sich das Wachstum laut IWF dann wieder abschwächen. Dies führt der IWF auf die im Jahr 2007 angekündigte Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte zurück.

Eurozone mit hohem Wachstum

Die Konjunktur der Eurozone werde ihre Wachstumsdynamik zunächst aufrechterhalten, die sich dann im kommenden Jahr etwas verlangsamt. Im laufenden Jahr werde die Eurozone um 2,4 (zuvor 2,0) Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 2,0 (1,9) Prozent. Das Wachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern bleibt laut IWF hoch. Auch die chinesische Volkswirtschaft dürfte ihr Expansionstempo fortsetzen.

In den USA erwartet der IWF eine etwas kräftigere Wachstumsabschwächung im kommenden Jahr. Für die größte Volkswirtschaft der Welt senkte der IWF seine Prognose für das Jahr 2007 um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Im laufenden Jahr erwarten die Experten wie im Frühjahr ein Wachstum von 3,4 Prozent. Belastet werden dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr vor allem durch einen sich abschwächenden Immobilienmarkt. Auch in Japan hat der Konjunkturzyklus laut IWF seinen Höhepunkt erreicht. Die Wirtschaft dürfte sich von einem Wachstum von 2,7 (zuvor 2,8) Prozent im laufenden Jahr auf 2,1 (zuvor 2,0) Prozent abkühlen.

Abkühlung des US-Immobilienmarktes droht

Der IWF sieht aber für seinen Ausblick eine Reihe von Abwärtsrisiken. Die größte Gefahr sei ein verstärkter Inflationsdruck, der einen stärker als bisher erwartet restriktiven geldpolitischen Kurs zur Folge haben könnte. Eine weitere Gefahr sei ein neuerlicher Anstieg des Ölpreises, der durch enge Förderkapazitäten und durch weltpolitische Unsicherheiten ausgelöst werden könnte. Zudem bestehe die Gefahr einer deutlicher als bisher erwarteten Abkühlung des US-Immobilienmarktes, die zu einer abrupten Abschwächung der US-Konjunktur führen könnte.

Es gebe zudem weiterhin ein Potenzial für einen ungeordneten Abbau der globalen Ungleichgewichte wie dem US-Leistungsbilanzdefizits. Die wahrscheinliche Entwicklung sei jedoch ein geordneter Abbau, dafür müssten Anleger jedoch ihre Vermögensbestände in Dollar weiter ausweiten. Der robuste US-Finanzmarkt habe in der Vergangenheit die Finanzierung der Defizite erleichtert. Risiken einer ungeordneten Anpassung bestünden jedoch und könnten zu enormen Kosten für die Weltwirtschaft führen.

Notenbanken in der Zwickmühle

Die US-Notenbank befindet sich laut IWF in einer "schwierigen Lage". Während die Inflation steige, schwäche sich die Konjunktur ab. Da es für die Notenbank wichtig sei, die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu halten, könnten weitere Zinserhöhungen notwendig werden.

In der Eurozone seien bei einem anhaltenden Wirtschaftswachstum weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich. Derzeit seien die Inflationserwartungen jedoch unter Kontrolle. Angesichts der bestehenden Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum könne sich die EZB ein vorsichtiges Vorgehen erlauben.

Der IWF erwartet einen weiteren Anstieg der Ölpreise. Der Durchschnitt der Spot-Preise aus den Sorten Brent, Dubai und WTI dürfte von 53,35 US-Dollar je Barrel auf 69,20 Dollar je Barrel im laufenden Jahr steigen. Im Jahr 2007 erwartet der IWF dann einen Durchschnittspreis von 75,50 Dollar.

tim/dpa-AFX/ddp

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.