Konjunktur Kommt Schröders Aufschwung nach der Wahl?

Kurz vor der Wahl entdecken Wirtschaftsexperten und Verbandsfunktionäre plötzlich einen Silberstreifen am Horizont. Bei entsprechenden Reformmaßnahmen seien in Deutschland rund drei Prozent Wachstum drin, so die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. Auch in der Autobranche herrscht Optimismus.


Wirschaftsexpertin Weder di Mauro: Deutschland könnte aufschließen
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Wirschaftsexpertin Weder di Mauro: Deutschland könnte aufschließen

Berlin - Die zum Sachverständigenrat der Bundesregierung gehörende Professorin Beatrice Weder di Mauro hält bei umfangreichen Reformen in Deutschland ein Wachstum von durchschnittlich drei Prozent für möglich. Es sei möglich, dass Deutschland zu den Wachstumsraten anderer Länder aufschließe, sagte sie dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel am Sonntag".

Derzeit liegt das deutsche Wachstum etwa bei einem Prozent. Zudem seien Arbeitslosenquoten von etwa vier Prozent wie in der Schweiz auch in Deutschland erreichbar - "allerdings nicht in den nächsten zwei, drei Jahren", hieß es. Allerdings müsse die Bundesregierung dazu nach der Wahl umgehend ein weit reichendes Reformprogramm beschließen.

"Die Gesundheits- und die Pflegeversicherung müssen reformiert werden, wir brauchen ein effizienteres Steuersystem, ein höheres Eintrittsalter bei der Rente, eine Sanierung der Staatsfinanzen und eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes", sagte die Ökonomin der Zeitung. Diese Reformen sollten nicht der Reihe nach, sondern auf einmal angegangen werden. Die osteuropäischen Länder hätten sich nach der Wende in viel kürzerer Zeit viel grundsätzlicher umstellen müssen, "und das ging auch".

"Endlich wieder Wachstum" in der Autobranche

Auch in der Automobilbranche herrscht Optimismus. Kurz vor der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main hat der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, "endlich wieder Wachstum" prognostiziert. Er erwarte in diesem Jahr 3,3 Millionen neue Autos auf Deutschlands Straßen, sagte Gottschalk der "Stuttgarter Zeitung". Von Januar bis einschließlich Juli waren in Deutschland bereits knapp zwei Millionen Autos neu zugelassen worden, entsprechend einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Nach Gesprächen mit Ausstellern könne er "keine Verzagtheit" bei den Herstellern feststellen, trotz der deutlichen Kostennachteile, erklärte Gottschalk. Auf der IAA werde man eine Industrie erleben, "die Zugpferd der Konjunktur, Technologietreiber und Exportweltmeister" sei und zusammen mit der leistungsstarken Zulieferindustrie auch Lösungen für Fragen der nachhaltigen Mobilität vorstellen werde.

Er glaube nicht an ein Ende des Produktionsstandorts Deutschland für Massenfahrzeuge. Die Arbeit in Deutschland sei aber auf vielen Gebieten zu teuer geworden, daher müsse man entsprechende Lösungen suchen. Es seien neue Wettbewerber an extrem günstigen Standorten hinzugekommen, sagte der Verbandspräsident. "Die Kunden entscheiden ja beim Autokauf nicht danach, wie viele Arbeitsplätze sie hier sichern, sondern schauen zunächst einmal auf den Preis." Es sei schmerzlich, wenn angesichts der ohnehin hohen Ölpreise das Autofahren durch fiskalische Zusatz-Lasten weiter verteuert werde. Das Auto sei kein Luxus, sondern zuallererst ein Arbeitsplatz, sagte Gottschalk.



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