Konjunktur Regierung sieht Deutschland als Wachstumslokomotive

Die Krise scheint endgültig vorbei: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht weiterhin hohe Wachstumsraten für die deutsche Wirtschaft. Erstmals seit Jahren gelte die Bundesrepublik sogar wieder als Konjunkturmotor in Europa. Zumindest ist das die Interpretation der Bundesregierung.


Berlin - Für 2007 erwarte der IWF ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, hieß es am Dienstag in deutschen Regierungskreisen. Für 2008 werden 1,9 Prozent vorhergesagt. Die Defizitquote werde in beiden Jahren etwa 1,3 Prozent betragen, die Arbeitslosigkeit werde weiter zurückgehen. Mit diesen Wachstumsraten sei Deutschland wieder die "Konjunkturlokomotive" in Europa, hieß es.

Container im Hamburger Hafen: Überdurchschnittlich viele Exporte gehen in die EU
REUTERS

Container im Hamburger Hafen: Überdurchschnittlich viele Exporte gehen in die EU

In der Tat wäre das erwartete Wachstum deutlich mehr, als die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren geleistet hat. Allerdings bleibt der IWF hinter den Prognosen deutscher Forschungsinstitute zurück. So hält das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in diesem Jahr ein Wachstum von 2,8 Prozent für möglich. Ähnliche Erwartungen haben die anderen Forschungseinrichtungen. Sogar die Bundesregierung selbst rechnet nach SPIEGEL-Informationen in diesem und im nächsten Jahr mit einem Wachstum von mehr als zwei Prozent.

Nun jedoch versucht die Regierung, die Zahlen des IWF so positiv wie möglich zu interpretieren. Für die Weltwirtschaft erwartet der IWF Regierungskreisen zufolge eine "sanfte Landung" in diesem Jahr mit einem etwas rückläufigen Wachstum von 4,9 Prozent. Konjunkturrisiken sieht der IWF vor allem in einem steigenden Inflationsdruck, einer spürbaren Abkühlung der US-Wirtschaft, größeren Schwankungen an den Finanzmärkten, abrupten Anpassungen der Ungleichgewichte sowie zunehmendem Protektionismus. Die Risiken seien allerdings geringer als noch im Herbst 2006.

Dass es um die deutsche Wirtschaft recht gut steht, zeigt auch die Statistik: Deutsche Firmen haben im Februar ihre Exporte weiter gesteigert. Sie verkauften Waren im Wert von 77,6 Milliarden Euro ins Ausland und damit 10,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Von Januar auf Februar stiegen die Ausfuhren saisonbereinigt um 1,9 Prozent. Zum Jahresanfang dürfte der Außenhandel das gesamte Wachstum allerdings nicht so stark angeschoben haben wie zuletzt, denn die Importe legten um 5,6 Prozent zum Januar zu - und damit stärker als die Ausfuhren.

"Die Exporte laufen weiter gut. Deutschland profitiert von der robusten Weltkonjunktur", sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Dass die Importe deutlich anziehen, hat mit dem teureren Öl zu tun und der gestiegenen Konsumnachfrage." Das Wachstum dürfte in den kommenden Monaten stärker aus der Inlandsnachfrage kommen. Der Wert der importierten Waren kletterte im Februar auf 63,4 Milliarden Euro. Das war ebenfalls ein Plus von 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sowohl Exporte als auch Importe kletterten zum Januar deutlich stärker als von Experten erwartet.

"Weltwirtschaft schaltet einen Gang zurück"

Ende 2006 hatte der Außenhandel Deutschlands Wirtschaft kräftig angekurbelt und zum Quartalswachstum von 0,9 Prozent getrieben. Der Impuls aus dem Außenhandel war dabei so groß wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Überdurchschnittlich stiegen im Februar die Ausfuhren in die EU-Länder, wohin die deutschen Firmen zwei Drittel ihrer Waren verkauften: 51,2 Milliarden Euro. Hier gab es ein Plus von 14,7 Prozent zum Vorjahr. Der Export in die Euro-Zone legte um 12,8 Prozent zu, während es außerhalb Europas nur einen Zuwachs um 4,4 Prozent gab. "Der Außenhandel mit der EU floriert sehr stark. Der Handel mit Drittländern expandiert dagegen nur moderat", sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. Dies zeige, dass die Weltwirtschaft einen Gang zurückgeschaltet habe. "Aber Europa hat sich davon abgekoppelt, weil die Binnenwirtschaft rund läuft."

Die Handelsbilanz schloss im Februar mit einem Überschuss von 14,2 Milliarden Euro. In der Leistungsbilanz verbuchte Deutschland ein Plus von 8,4 Milliarden Euro.

sam/wal/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.