Konjunktur-Risiko Euro vor neuem Rekord - Exporteure warnen

Der Euro-Kurs robbt sich an neue Rekorde heran, die Industrie wird unruhig. Der Verband deutscher Exporteure fürchtet, dass Waren made in Germany 2008 global Marktanteile verlieren - und korrigiert eine eigene, optimistischere Wachstumsprognose nach unten.


Berlin - Er ist nah dran an der Marke von 1,55 Dollar: Gegen Mittag notierte der Euro zeitweilig bei 1,5455 Dollar - den ganzen Vormittag schon war er gestiegen. Noch gestern wurde die europäische Währung in New York mit 1,5319 Dollar gehandelt. Händler glauben, dass in den Vereinigten Staaten eine weitere Zinssenkung ansteht - an der Schwäche des Dollars dürfte sich so schnell also nichts ändern. Sogar die Rekordmarke von 1,60 Dollar scheint erreichbar.

Konjunkturstütze Export: Der Taktschlag wird langsamer
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Konjunkturstütze Export: Der Taktschlag wird langsamer

Die deutschen Exporteure erwarten vor diesem Hintergrund einen relativen Verfall ihrer Weltgeltung. Der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) sagt zwar voraus, dass der Gesamtwert ausgeführter deutscher Güter 2008 erstmals die Marke von einer Billion Euro übersteigen wird. Auch wird der Export trotz des Euro-Hochs wohl weiter wachsen - um prognostizierte fünf Prozent auf 1017,5 Milliarden Euro. Damit würde sich das Wachstum der Ausfuhren aber spürbar verlangsamen - denn 2007 legten die Exporte noch um 8,5 Prozent zu.

Bislang noch rechnete der Verband 2008 mit einem Exportplus von bis zu sechs Prozent - diese eigene Prognose hat er nach unten korrigiert. Deutschland fällt damit im Vergleich zu anderen Staaten zurück. Denn der Welthandel insgesamt wird der Prognose zufolge um knapp sieben Prozent zulegen.

"Der Gegenwind für den Außenhandel wird stärker", sagte BGA-Präsident Anton Börner dazu. "2008 wird ein allenfalls durchschnittliches Jahr." Dabei zeichne sich ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit China um den Titel des Exportweltmeisters ab.

Der BGA schließt nicht aus, dass der Euro in den kommenden sechs Monaten bis auf 1,60 Dollar steigt. Erst am Jahresende werde sich der Eurokurs wieder unter 1,50 Dollar einpendeln, aber über der Marke von 1,40 Dollar verharren. Der starke Euro macht deutsche Produkte in anderen Währungsräumen teurer, worunter in erster Linie die Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie leide, sagte Börner.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet wegen der Rekordstände beim Euro mit negativen Folgen auf die deutsche Wirtschaft. "Bisher hat die deutsche Exportwirtschaft den hohen Euro wegen des boomenden Welthandels nicht stark zu spüren bekommen. Doch dieser Effekt lässt nun nach", sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling der "Berliner Zeitung".

Der Volkswirt fügte an: "Wertet der Euro weiter auf, wird das die Gewinne deutscher Firmen im Ausland unter Druck bringen und die Exportperformance verschlechtern."

itz/dpa-AFX/Reuters/AFP



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