Konjunktur Steinbrück warnt vor zu großer Euphorie

Dämpfer für Konjunkturoptimisten: Nach Ansicht von Finanzminister Steinbrück ist der Aufschwung noch nicht in Sicht. Zwar gebe es erste positive Signale - aber erst wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft, werde es Klarheit geben.


Dresden - Wenige Tage ist es her, da machte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Hoffnung auf ein baldiges Rezessionsende. Die deutsche Wirtschaft habe ihre Talfahrt gestoppt - bald gebe es sogar wieder Wachstum. Doch sein Ministerkollege aus dem Finanzministerium ist vorsichtiger. "Zu sagen, wir seien schon aus der Krise heraus, wäre vermessen", sagte Peer Steinbrück nun der "Sächsischen Zeitung".

Finanzminister Peer Steinbrück: "Der Konsum hält sich erstaunlich gut"
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Finanzminister Peer Steinbrück: "Der Konsum hält sich erstaunlich gut"

Es gebe zwar einige positive Hinweise aus der Wirtschaft, sagte der SPD-Minister. "Der Konsum hält sich erstaunlich gut. Auch die Arbeitsmarktzahlen waren im Juli nicht so schlimm, wie wir es erwartet hatten. Aber erst wenn das 24-monatige Kurzarbeitergeld ausläuft, wird sich zeigen, ob sich der Arbeitsmarkt stabilisiert hat oder nicht. Und das wissen wir erst im vierten Quartal dieses Jahres oder im ersten Quartal 2010", sagte Steinbrück.

Immerhin könnte sich die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten besser entwickelt haben als bisher angenommen. Führende Ökonomen glauben, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nicht mehr gesunken ist; einige rechnen sogar mit einem minimalen Wachstum, wie eine Umfrage der "Welt" ergab.

So haben viele Volkswirte ihre Vorhersagen für das zweite Quartal nach den überraschend positiven Nachrichten aus der Wirtschaft in den vergangenen Wochen nach oben revidiert. Das Münchener Ifo-Institut erwartet nun eine rote Null, also nur einen minimalen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Bislang war das Institut von einem deutlicheren Minus ausgegangen. Da die Unsicherheit der Prognosen aber weiterhin groß ist, könnte es auch gut eine schwarze Null werden, sagt Ifo-Konjunkturexperte Kay Carstensen der Zeitung. Diese Einschätzung teilen die meisten befragten Ökonomen, ihre Prognosen bewegen sich um die Nulllinie.

So liegt die offizielle Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zwar noch bei minus 0,7 Prozent, DIW-Experte Christian Dreger hält aber eine geringfügige Schrumpfung und vielleicht auch eine Stagnation inzwischen für realistischer. Die Prognostiker von HSBC Trinkaus & Burckhardt rechnen mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent. Carsten Klude, Chefökonom von M.M. Warburg, erwartet dagegen ein Minimalwachstum von 0,1 Prozent. Auch die Commerzbank, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und Goldman Sachs rechnen mit Werten, die nahe null Prozent liegen.

Zum Vergleich: Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent gefallen, so stark wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Donnerstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal.

yes/dpa-AFX



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