Konjunktur US-Notenbank stoppt Zinserhöhungen

Die US-Notenbank hat ihre mehr als zwei Jahre währende Serie von Zinserhöhungen unterbrochen. Grund: Die Abkühlung der Konjunktur. Der Leitzins bleibt bei 5,25 Prozent - die Aktienmärkte in den USA büßten ihre Gewinne ein.


Washington - Der Zinssatz bleibe unverändert bei 5,25 Prozent, teilte der Offenmarktausschuss heute nach seiner Sitzung in Washington mit. Zuvor hatte die Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins 17. Mal in Folge um insgesamt 4,25 Prozentpunkte angehoben. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig: Ausschussmitglied Jeffrey Lacker votierte für eine Zinserhöhung auf 5,50 Prozent.

Fed-Chef Ben Bernanke: Inflationsdruck gemildert
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Fed-Chef Ben Bernanke: Inflationsdruck gemildert

"Das Wirtschaftswachstum hat sich gegenüber dem starken Tempo zu Jahresbeginn abgeschwächt", stellte der Ausschuss fest. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet nur noch um 2,5 Prozent gestiegen nach 5,6 Prozent zu Jahresbeginn.

Gründe seien neben der leichten Abkühlung am Immobilienmarkt das Anziehen der Leitzinsen und der Energiepreise. Für die Preisstabilität sieht die Fed wegen der hohen Energiepreise und der hohen Kapazitätsauslastung zwar weiterhin Gefahren. "Der Inflationsdruck scheint sich aber im Zeitablauf gemildert zu haben", so die Währungshüter.

Die Fed ließ sich gleichzeitig die Tür für mögliche weitere Zinserhöhungen offen. Künftige Zinsentscheidungen seien abhängig von den Aussichten für Inflation und Wirtschaftswachstum, die von neuen Konjunkturdaten angedeutet werden, hieß es.

Der Leitzins ist das wichtigste Instrument der Zentralbank zur Beeinflussung des Wirtschaftslebens. Die Handelsbanken geben Erhöhungen oder Senkungen für gewöhnlich an ihre Kunden weiter. Höhere Zinsen dämpfen die wirtschaftliche Aktivität der Konsumenten, vor allem bei größeren Anschaffungen wie Häusern oder Autos.

Wegen verstärkter Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung hatten Volkswirte mit dem Ende der Zinsserie gerechnet. Die Arbeitslosenquote etwa stieg im Juli überraschend von 4,6 auf 4,8 Prozent. Gleichzeitig wurden nur noch 113.000 neue Stellen geschaffen - 30.000 weniger als erwartet. Einige Experten hielten eine nochmalige Zinserhöhung wegen des weiterhin starken Preisauftriebs aber für möglich. Die Stundenlöhne stiegen im Juli um deutliche 0,4 Prozent, während die Lohnstückkosten im zweiten Quartal so kräftig wie seit rund anderthalb Jahren nicht mehr anzogen.

Der Eurokurs stieg nach der Zinsentscheidung bis auf sein Tageshoch von 1,2892 Dollar, fiel dann aber wieder auf 1,2834 Dollar. Der Dow-Jones-Index für 30 führende Industriewerte gab um 45,79 Punkte oder 0,41 Prozent auf 11.173,59 nach. Die US-Aktienmärkte haben nach der Pause der Zinserhöhungen ihre Gewinne eingebüßt. Anleger befürchteten angesichts der zunehmenden Inflation, dass die Fed zu ihrer Politik der Zinserhöhungen zurückkehren könnte, hieß es. Die Renditen am US-Rentenmarkt gaben kurzfristig nach, erholten sich dann jedoch wieder.

tim/dpa-AFX/Reuters/AP



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