Konjunktur US-Wirtschaft verblüfft mit guten Zahlen

Experten hatten schon das Ende des Booms in den USA vorausgesagt, auf eine Zinssenkung der US-Notenbank spekuliert. Alles hinfällig: Die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten fielen überraschend positiv aus.


Washington - Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft stieg um 167.000 gegenüber dem Vormonat, wie das Arbeitsministerium heute in Washington mitteilte. Auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen für die beiden Vormonate wurde nach oben korrigiert, und zwar um insgesamt 29.000 auf 240.000. Die Stundenlöhne kletterten zudem unerwartet deutlich: Mit plus 0,5 Prozent verbuchten sie den stärksten Anstieg seit April. Die Arbeitslosenquote verharrte wie erwartet bei 4,5 Prozent.

US-Jobcenter: "Die Industrie ist vielleicht schwach, aber der Rest der Wirtschaft ist stark"
AP

US-Jobcenter: "Die Industrie ist vielleicht schwach, aber der Rest der Wirtschaft ist stark"

Damit befand sich der US-Arbeitsmarkt und damit die US-Wirtschaft am Jahresende in deutlich besserer Verfassung als befürchtet: Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 100.000 neuen Stellen gerechnet. "Die Industrie ist vielleicht schwach, aber der Rest der Wirtschaft ist stark und dies signalisiert, das wir in den kommenden Monaten weiterhin ein gutes Wirtschaftswachstum sehen werden", sagte Volkswirt Gary Thayer von A.G. Edwards and Sons.

Auch die Forderungen nach einer Zinssenkung durch die US-Notenbank sind damit vorerst vom Tisch. Die Fed werde die Zinsen wohl auf absehbare Zeit unverändert lassen, sagte Thayer. Denn die Daten würden die Sorge der US-Notenbank Fed vor einem Inflationsanstieg verstärken und ihr ein weiteres Argument gegen eine Zinssenkung liefern.

Auch andere Marktteilnehmer schätzten die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung nach den Daten geringer ein. "Eine Leitzinssenkung in diesem Quartal ist damit vom Tisch", sagte DekaBank-Ökonom Rudolf Besch. Allerdings gehe der unerwartet kräftige Stellenzuwachs im Dezember auch auf das milde Winterwetter zurück. Der auch wegen der Abschwächung des US-Häusermarkts zu erwartende deutliche Beschäftigungsrückgang sei im Bau ausgeblieben. Die Fed dürfte erst im Mai die Leitzinsen leicht senken.

Der robuste US-Arbeitsmarktbericht spricht nach Einschätzung der Commerzbank für weiterhin unveränderte Leitzinsen. "Die bisher erwartete Zinswende im ersten Quartal dürfte sich nach den zuletzt insgesamt positiven Konjunkturdaten weiter ins Jahr 2007 hinein verschieben", sagte Commerzbank-Volkswirt Patrick Franke. Die Arbeitsmarktzahlen zeigten, dass die derzeitige Lage der US-Wirtschaft besser sei als man dies vor einigen Monaten noch erwartet habe.

Die Zahlen wirkten sich auch auf die Finanzmärkte in Deutschland aus. Der Euro rutschte zeitweise bis knapp unter 1,30 Dollar. Gegen 15.30 Uhr wurde er mit 1,3003 Dollar gehandelt. Vor den Daten wurde er noch mit 1,3081 Dollar gehandelt. Der deutsche Rentenmarkt drehte ins Minus. Der für den Anleihenmarkt richtungweisende Euro-Bund-Future gab kurz nach der Bekanntgabe um 0,32 Prozent auf 115,99 Punkte nach. Kurz zuvor hatte er noch bei 116,37 Zählern notiert.

Der Deutsche Aktienindex bewegte sich dagegen kaum. "Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass nun viele Anleger befürchten, dass die Fed die Zinsen doch nicht so schnell wie erhofft senken wird", sagte ein Händler.

mik/Reuters/dpa-AFX



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