Konjunktur Wirtschaftsforscher erhöhen ihre Prognosen

Trotz der jüngsten Euro-Aufwertung stehen nach Einschätzung des Essener RWI die Zeichen für einen Aufschwung der deutschen Exportwirtschaft günstig. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht angesichts eines Eurokurses von über 1,22 Dollar noch keine gravierende Beeinträchtigung für Deutschlands Exporteure.


Konjunktur: Trotz gestiegenen Euros bessere Aussichten
DDP

Konjunktur: Trotz gestiegenen Euros bessere Aussichten

Berlin - Für 2004 sei mit einem Exportwachstum von 5,6 Prozent nach 1,2 Prozent im laufenden Jahr zu rechnen, erklärte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) am Montag in seiner Konjunkturprognose 2004. Der weltwirtschaftliche Aufschwung habe sich deutlich gefestigt, und in den USA wachse die Wirtschaft kräftig.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bewertet die konjunkturellen Aussichten optimistischer. Für das Schlussquartal dieses Jahres erhöhte das DIW seine Wachstumsprognose auf 0,5 von zuvor 0,3 Prozent.

Neues Allzeithoch des Euro

Der Euro stieg am Montag im europäischen Handel auf ein Rekordhoch von knapp über 1,22 Dollar und damit so hoch wie noch nie seit seiner Einführung an den Finanzmärkten zum 1. Januar 1999. Zahlreiche Volkswirte haben darauf verwiesen, dass die hohe Nachfrage im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung den bremsenden Effekt eines stärkeren Euro mehr als wettmache. "Vor allem aber hat sich die Konjunktur in der EU, und damit auf dem wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Waren, wieder belebt", erklärte das RWI. Die Impulse durch die steigenden Ausfuhren griffen nach und nach auf die Inlandsnachfrage über und könnten insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen zulegen lassen.

Das Eurohoch bereitet der deutschen Exportwirtschaft auch nach Einschätzung Clements bislang keine allzu großen Probleme. Er fügte aber hinzu, "ich gehe davon aus, dass die EZB (Europäische Zentralbank) das (die aktuelle Währungsentwicklung) sehr aufmerksam beobachtet".

Das DIW und das RWI sprechen von aufgehellten Konjunkturaussichten für Deutschland. Als Belege nannten sie etwa den verbesserten Auftragseingang und die gestiegene Produktion der deutschen Industrie im Oktober. "Zusammengenommen hat sich die Konjunkturtendenz am aktuellen Rand deutlich verbessert - gute Voraussetzungen für das Jahr 2004", teilte das DIW mit. "Die deutsche Wirtschaft blickt nun zuversichtlicher in die Zukunft", hieß es beim RWI. "Doch für überschäumende Hoffnung gibt es keinen Anlass: Impulse kommen erneut überwiegend aus dem Ausland, die Binnennachfrage hingegen wächst weiterhin nur sehr schwach."

Das RWI bestätigte seine bisherige Prognose, dass die deutsche Wirtschaft 2004 um 1,8 Prozent wachsen werde. Der private Verbrauch würde bei einem Vorziehen der dritten Stufe der Steuerreform vorübergehend etwas anziehen. Im Laufe des Jahres dürfte es aber nur eine verhaltene Expansion geben, da wegen der entsprechenden Gegenfinanzierung mit Einschnitten bei Transfers und Subventionen zu rechnen sei.



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