Frühjahrsgutachten Wirtschaftsinstitute senken Konjunkturprognose drastisch

Deutschland wird die Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine in diesem Jahr deutlich spüren. Das prognostizieren die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Das Wachstum verlangsamt sich ihnen zufolge auf 2,7 Prozent.
Krieg, Inflation, erdrückende Energiekosten: Schwere Zeiten für die deutsche Wirtschaft

Krieg, Inflation, erdrückende Energiekosten: Schwere Zeiten für die deutsche Wirtschaft

Foto: Stefan Puchner / dpa

Die deutsche Wirtschaft muss sich auf schwierige Zeiten einstellen: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose wegen des Kriegs in der Ukraine und der anhaltenden Coronapandemie deutlich heruntergeschraubt. Für dieses Jahr erwarten die Forscher nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,7 Prozent. Bei einer sofortigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen würde die Wirtschaftsleistung sogar nur um 1,9 Prozent zunehmen. Im Herbst hatten die Forscher noch ein Wachstum von 4,8 Prozent vorhergesagt. Die Inflation wird ihrer Schätzung nach bei 6,1 Prozent in diesem Jahr liegen, dem höchsten Wert seit 40 Jahren.

»Maßgeblich für die Revision sind neben dem Ukrainekrieg der ungünstige Pandemieverlauf im zurückliegenden Winterhalbjahr«, erklärten die Wirtschaftsforschungsinstitute. Die Institute berechneten auch die Auswirkungen einer sofortigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen auf Deutschlands Wirtschaft: In diesem Fall würde die Bundesrepublik in eine »scharfe« Rezession stürzen, erklärten sie. »Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten.« Dieser Wandel werde sich für die Gas-intensiven Industrien auch ohne Boykott beschleunigen, da die Abhängigkeit von den bislang günstig zu beziehenden russischen Lieferungen so oder so rasch überwunden werden solle.

Forschungsinstitute optimistischer als Wirtschaftsweisen

Mit ihrer neuen Prognose sind die Forschungsinstitute aber noch deutlich optimistischer als etwa die Wirtschaftsweisen. Die Berater der Bundesregierung haben für dieses Jahr nur noch ein Wachstum um 1,8 Prozent vorhergesagt – und bei einem Lieferstopp russischer Energieimporte sogar eine Rezession.

Die Institute mahnten die Politik, Hilfspakete gegen die hohen Energiepreise vorsichtig zu dosieren, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. »Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise. Das verschärft wiederum die Probleme einkommensschwacher Haushalte und erhöht die gesamtwirtschaftlichen Kosten«, erklärte der Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, am Mittwoch.

Die Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst – vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Kieler Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.

ktz/dpa/afp
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