Konjunkturbarometer Chinas Wirtschaft in bester Stimmung seit zehn Jahren

Das Coronavirus scheint in China weitgehend unter Kontrolle zu sein – und das wichtigste Konjunkturbarometer des Landes steigt auf den höchsten Wert seit zehn Jahren. Doch die Exportindustrie bleibt skeptisch.
Arbeiter in einer Fabrik für Elektroautos von General Motors in China

Arbeiter in einer Fabrik für Elektroautos von General Motors in China

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Die Stimmung in den Chefetagen chinesischer Unternehmen ist so gut wie seit fast zehn Jahren nicht mehr - denn China scheint das Coronavirus weitgehend im Griff zu haben. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Wirtschaftsmagazins "Caixin" für das herstellende Gewerbe stieg im Oktober von 53,0 im Vormonat auf 53,6 Punkte. Das wichtige Konjunkturbarometer erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2011, wie das Blatt am Montag berichtete. Über 50 Punkte zeigt der Index eine Expansion der Industrie an, während darunter von einer Kontraktion auszugehen ist.

In China waren im Dezember 2019 die ersten Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Inzwischen hat die zweitgrößte Volkswirtschaft die Pandemie mit strengen Quarantänemaßnahmen, Massentests, Kontaktverfolgung und Einreisebeschränkungen unter Kontrolle gebracht. Heute werden in der Volksrepublik nur noch vereinzelt kleinere lokale Ausbrüche wie zuletzt in Kashgar in Nordwestchina publik, ansonsten nur wenige importierte Fälle. So haben sich Alltag und Wirtschaftstätigkeit normalisieren können.

"Unternehmer zuversichtlich"

Das herstellende Gewerbe erholte sich denn auch im Oktober weiter, indem sich sowohl Nachfrage als auch Angebot verbesserten. "Unternehmen sind sehr geneigt, ihre Lager auszubauen", sagte Caixin-Ökonom Wang Zhe. "Die Preise sind stabil. Der Geschäftsbetrieb verbessert sich, und Unternehmer sind zuversichtlich."

Die neue Welle der Infektionen mit dem Virus in anderen Ländern lässt allerdings die Nachfrage aus dem Ausland nach Produkten "Made in China" wieder langsamer wachsen, auch wenn die neuen Exportaufträge im Oktober den dritten Monat in Folge weiter zulegten. "Die Drehungen und Wendungen bei den Infektionen im Ausland bleiben Gegenwind für die Ausfuhren", sagte Wang Zhe.

Aktienmärkte erholen sich weiter, bleiben aber aufgrund der weltweiten Viruslage skeptisch

Auch die asiatischen Aktienmärkte haben sich am Montag infolge solider Wirtschaftsdaten aus China von einem Monatstief erholt. Der chinesische Caixin/Markit-Index machte den Anlegern Hoffnung, dass das Land wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreichen könnte. Auswirkungen wie in Europa und den Vereinigten Staaten aufgrund der zweiten Coronavirus-Welle könnten somit China erspart bleiben. Enttäuschende Ergebnisse und Aussichten einiger der größten Unternehmen der Wall Street - wie Apple und Facebook vergangene Woche - haben allerdings auf die Stimmung der Börsianer geschlagen. "Die Märkte blicken auf das vierte Quartal und auf Anfang 2021. Die Wachstumsaussichten scheinen angesichts der Tendenz zu strengeren Einschränkungen in Europa getrübt", schrieben Analysten von Perpetual. Die entscheidende Frage sei nun, wie lange die Beschränkungen nötig seien, um das Virus unter Kontrolle zu bringen.

caw/dpa/Reuters
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