Konjunkturflaute IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland

Die weltweite Finanzkrise bremst Deutschlands Wachstum: Der IWF prognostiziert der deutschen Wirtschaft für 2009 ein Wachstum von voraussichtlich nur einem Prozent - nach einem geschätzten Plus von 1,4 Prozent im Jahr 2008. Allerdings sei schon bald mit einer Erholung zu rechnen.


Hamburg - Von Wachstum kann kaum die Rede sein: Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in diesem Jahr für die deutsche Wirtschaft nur noch mit einer Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,4 Prozent - im Februar wurden noch 1,5 Prozent prognostiziert. Noch pessimistischer sind die Prognosen für 2009: da erwartet der IWF sogar nur ein BIP von 1,0 Prozent. Zudem sagte der Währungsfonds für Deutschland eine Teuerung von 2,5 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im Jahr 2009 voraus.

Container im Hamburger Hafen: Krise beutelt Märkte weltweit
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Container im Hamburger Hafen: Krise beutelt Märkte weltweit

"Grund für die Schwäche in Deutschland ist die Abhängigkeit vom Außenhandel, ohne dass es große Unterstützung von innen gibt", sagte IWF-Ökonom Charles Collyns. Es gebe die Hoffnung, dass die deutsche Binnennachfrage steige, um die Einflüsse durch die Verlangsamung der Weltwirtschaft aufzufangen. "Bislang sehen wir aber anhaltende Schwächen, beispielsweise im Einzelhandel", sagte Collyns.

Doch nicht nur Deutschland wird laut IWF unter einer Konjunkturschwäche leiden: Weltweit sieht der Fonds durch die massive Finanzmarktkrise die Gefahr einer globalen Rezession vergrößert. Inzwischen gebe es eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das weltweite Wachstum in diesem und im nächsten Jahr auf drei Prozent oder sogar darunter sinken. Dies komme einer Rezession gleich, hieß es.

Für die USA als Ausgangspunkt und Zentrum der Krise sagt der Fonds eine "milde Rezession" mit einem Wachstum von nur noch 0,5 in diesem und 0,6 Prozent im kommenden Jahr voraus. Allerdings sei von 2009 an zuerst in den Staaten mit dem Beginn einer Erholung zu rechnen, die die globale Konjunktur stütze. Ab dem Jahr darauf, sollte die Weltwirtschaft dann wieder auf ihren langfristigen Wachstumstrend einschwenken. Das gelte dann auch für europäische Länder.

Die Industrieländer sind nach Ansicht des IWF in den kommenen Jahren mit einem Balanceakt konfrontiert: Einserseits müssten sie der Konjunkturschwäche begegnen, andererseits aber auch Inflationsgefahren durch gestiegene Rohstoffpreise abwehren. Angesichts eines voraussichtlich sinkenden Preisdrucks in der Eurozone könne es sich die Europäische Zentralbank allerdings leisten, ihren bisherigen Zinskurs zu ändern, urteilt der Währungsfonds. In den USA seien angesichts der wirtschaftlichen Risiken die drastischen Zinssenkungen der US- Notenbank und ihre Neigung zu weiteren Lockerungen gerechtfertigt.

Auch die Schwellenländer bleiben laut IWF nicht von der Krise verschont. Allerdings sei ihr Wachstum weit weniger betroffen. Der IWF sagt ihnen in diesem Jahr ein solides Plus von 6,7 Prozent voraus. Ein ähnliches Wachstum sei auch im Jahr darauf zu erwarten. China werde dabei abermals am stärksten zulegen: in diesem Jahr um 9,3 Prozent, 2009 dann 9,5 Prozent.

Mit Blick auf den Höhenflug des Euro sagte IWF-Chefökonom Simon Johnson, die Gemeinschaftswährung sei derzeit "ganz bestimmt auf der starken Seite". Mit der Bewertung des Dollars hingegen zeigte er sich zufrieden. Der chinesische Yuan sei indes "stark unterbewertet".

sil/Reuters/dpa



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