Konjunkturindex US-Industrie schrumpft so stark wie seit 1980 nicht mehr

Die Krisenstimmung macht sich auch in der US-Industrie bemerkbar: Die Geschäfte des verarbeitenden Gewerbes sind im Dezember so stark zurückgegangen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Auch in der Euro-Zone trübte sich die Stimmung drastisch ein.


New York - Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel von 36,2 Punkten im Vormonat auf 32,4, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Freitag zu seiner Umfrage unter 350 Unternehmen mitteilte. Dies war der niedrigste Wert seit 1980. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 35,5 Punkte gerechnet.

Autozubehörhändler (in Detroit): Miese Stimmung in der Industrie
AFP

Autozubehörhändler (in Detroit): Miese Stimmung in der Industrie

Erst ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert, Werte darunter weisen auf einen Rückgang hin. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Eine schnelle Erholung der amerikanischen Industrie ist nicht in Sicht: Die Neuaufträge schrumpften so stark wie nie zuvor.

Laut DekaBank bietet auch der US-Arbeitsmarkt "ein trostloses Bild". Auch die Dezemberzahlen dürften "keinen Anlass zur Freude" bieten. Der Beschäftigungsabbau dürfte demnach kaum an Tempo verloren haben und die Arbeitslosenquote erstmals seit Juni 1993 wieder auf sieben Prozent steigen. Auch die Commerzbank schreibt in einer Wochenvorschau, in den kommenden Wochen werde sich in den USA zeigen, "wie stark sich die Märkte inzwischen an negative Nachrichten gewöhnt haben". Der US-Arbeitsmarktbericht werde wohl erneut "sehr schlecht" ausfallen.

Auch in der Euro-Zone hat sich die Stimmung in der Industrie abermals verschlechtert und ist damit auf ein neues Rekordtief gesunken. Der Einkaufsmanagerindex fiel hier im Dezember von 35,6 Punkten im Vormonat auf nun 33,9 Punkte, hieß es am Freitag. In der Erstschätzung war noch ein moderaterer Rückgang auf 34,5 Punkte ermittelt worden.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums, trübte sich die Stimmung abermals kräftig ein und sank wie im gesamten Währungsraum auf ein neues Rekordtief - von 35,7 Punkten im November auf 32,7 Punkte. Auch in Frankreich, der zweitgrößten Wirtschaft des Währungsraums, sank der Stimmungsindikator erneut auf ein historisches Tief (34,9 Punkte). Der italienische Indikator legte hingegen leicht zu, von 34,9 auf 35,5 Punkte.

kaz/Reuters/dpa



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