Konjunkturkrise Deutsche Industrie schrumpft so stark wie nie zuvor

Der Krisenstimmung in der deutschen Wirtschaft weitet sich aus. Der aktuelle Einkaufsmanagerindex zeigt, dass die komplette Industrie ihre Produktion massiv zurückfährt - und auch bei Unternehmen in anderen Staaten der Euro-Zone stehen die Zeichen auf Abschwung.


Berlin - Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Dezember zum fünften Mal in Folge eingeschränkt und Stellen abgebaut. Das ist das Ergebnis des Markit/BME-Einkaufsmanagerindex, der am Freitag veröffentlicht wurde. Das Barometer fiel auf 32,7 Zähler - und damit so tief wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996. In einer ersten Schätzung hatten die Marktforscher noch einen Wert von 33,5 Punkten prognostiziert.

Stahlproduktion: "Deutsche Industrie rutscht tiefer in die Krise"
DPA

Stahlproduktion: "Deutsche Industrie rutscht tiefer in die Krise"

"Die deutsche Industrie rutscht vor dem Hintergrund des verschärften weltweiten Konjunkturabschwungs und dem daraus resultierenden Einbruch der Nachfrage immer tiefer in die Krise", schrieben die Experten zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Firmen. Die Kürzungen fielen dabei nach Angaben der Forscher bei den Herstellern von Vorleistungs- und Investitionsgütern deutlich höher aus als bei den Konsumgüterproduzenten.

Zu schaffen machte den Unternehmen der Einbruch bei der Nachfrage. Vor allem die Krise bei den Automobilherstellern hinterließ nach Markit-Angaben in den Orderbüchern ein dickes Minus. Der Rückgang beim Auftragseingang fiel sogar noch stärker aus als im November. Auch aus dem Ausland kamen erneut weniger Bestellungen, vor allem Kunden in Asien und den USA hielten sich zurück.

Die Industriefirmen haben den Experten zufolge mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen und bauten deswegen Arbeitsplätze ab. Jede vierte Firma habe angegeben, Stellen gestrichen zu haben, hieß es. Besonders bei den Herstellern von Investitions- und Vorleistungsgütern sei es wiederum zu Entlassungen gekommen.

Wegen der rückläufigen Nachfrage senkten die Unternehmen ihre Preise so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zugute kam ihnen der Rückgang der Einkaufskosten, vor allem für Rohstoffe. Auch hier war das Minus so groß wie nie zuvor in der Umfragegeschichte.

Abschwung in der Eurozone

Die andauernde Nachfrageflaute trifft auch andere Ökonomien in Europa. Der Industriesektor in der Euro-Zone schrumpfte laut Markit im Dezember so stark wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Sommer 1997. Das Barometer fiel auf 33,9 Punkte und damit noch stärker als in einer ersten Schätzung angenommen worden war. "Das deutet darauf hin, dass die Industrieproduktion im Dezember um zwölf Prozent gesunken ist", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Auch in den kommenden Monaten sei eine weitere Verschlechterung bei Produktion und Beschäftigung wahrscheinlich. Die Neuaufträge gingen stärker zurück, als die Firmen ihre Kapazitäten zurückfahren könnten. "Das trifft besonders auf Deutschland zu", sagte Williamson.

suc/Reuters



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