300 Euro Bonus pro Kind Ein fast fliegendes Geldgeschenk

130 Milliarden Euro will die Regierung ausgeben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Im Paket das konkreteste Geldgeschenk: ein Bonus von einmalig 300 Euro pro Kind. Wer kriegt ihn am Ende wirklich?
Plötzlich Lehrerin: Als Dankeschön fürs Homeschooling in der Coronakrise gibt's ein wenig Geld

Plötzlich Lehrerin: Als Dankeschön fürs Homeschooling in der Coronakrise gibt's ein wenig Geld

Foto: Ute Grabowsky / Photothek via Getty Images

Mancher hatte ja schon ein Helikoptergeld gefordert, um die Wirtschaft in der Coronakrise in Schwung zu bringen: Da hätte jeder Bürger einen bestimmten Geldbetrag aus dem Steuersäckel bekommen, in der Hoffnung, dass er das Geld gleich wieder ausgibt. Und damit für gute Geschäfte in der deutschen Wirtschaft sorgt, die dann weniger Mitarbeiter entlassen muss, die wiederum ihren guten Lohn ausgeben - und so weiter.

So ist es nicht gekommen: Das Konjunkturpaket, auf das sich die Große Koalition aus Union und SPD in der vergangenen Nacht geeinigt hat, enthält zahlreiche Methoden, mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, das Helikoptergeld für alle ist nicht dabei.

Dem fliegenden Geldgeschenk sehr ähnlich ist immerhin ein Punkt auf der Liste: der Kinderbonus. Familien sollen für jedes Kind einmalig eine Zahlung von 300 Euro bekommen. Sie müssen dafür offenbar noch nicht einmal etwas tun. Die Auszahlung erfolgt mit dem Kindergeld, das ohnehin monatlich überwiesen wird. Wahrscheinlich wird es drei Raten à 100 Euro geben.

Die Koalitionäre verkaufen die Maßnahme als eine Art Dankeschön für all die Eltern, die in den vergangenen Monaten, als die Schulen und Kindergärten schließen mussten, wohl oder übel den Unterricht und die Betreuung der Kinder selbst übernehmen mussten. Für viele maximaler Stress: Schon, weil es zeitlich schwer zu wuppen ist, aber auch, weil man ja nicht automatisch ein toller Erzieher oder Lehrer wird, sobald man ein Kind bekommt.

Klar, das ist eine nette Begründung, wenn Kinderlose nachhaken, warum eigentlich sie kein vergleichbares Geldgeschenk bekommen. Andererseits sind 300 Euro lächerlich wenig, wenn man die Zahl der unfreiwilligen Erzieherstunden gegenrechnet, die viele Eltern geleistet haben.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

"Eine zielgerichtete Ausgabe"

Ideell ist der Kinderbonus also eher problematisch. Für das Konjunkturpaket hat er aber wohl eine ganz andere Bedeutung. "Der Bonus ist eine sehr zielgerichtete Ausgabe", sagt Stefan Bach, Steuerexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Regierung war es wichtig, Geld gezielt dort abzuwerfen, wo es zuverlässig ausgegeben wird. Bei Familien ist das häufig der Fall: Sie haben hohe Ausgaben, in vielen Familien wird nur ein kleiner Teil des Budgets gespart; gerade bei Alleinerziehenden oft gar nichts.

Um diese Wirkung sicherzustellen, hat die Regierung außerdem eine Sicherung eingezogen: Der Bonus muss mit dem Kinderfreibetrag verrechnet werden.

Was heißt das? Eltern, die eine gemeinsame Steuererklärung abgeben, haben einen Freibetrag von aktuell 7812 Euro pro Kind. Dieser Betrag wird also von dem Einkommen abgezogen, das am Ende versteuert wird - sie zahlen weniger Steuern. Wie viel weniger hängt von den individuellen Verhältnissen ab. Das Finanzamt vergleicht diesen Steuervorteil mit der Summe des Kindergeldes, das im selben Jahr an das Paar gezahlt wurde. Liegt das Kindergeld höher, wird der Freibetrag nicht angerechnet; ist der Vorteil aus dem Freibetrag größer als das Kindergeld, bekommen die beiden die Differenz. Tatsächlich bekommen die Steuerzahler immer die günstigere Variante, aber eben nicht beide Leistungen auf einmal.

So ist es auch hier, und der Effekt soll sozial ausgleichend wirken. Denn wer besonders viel verdient, hat einen entsprechend großen Steuervorteil aus dem Freibetrag, bekommt aber nun den Kinderbonus bei der Berechnung mitabgezogen. Wer dagegen so wenig verdient, dass das Kindergeld ihm ohnehin mehr bringt als der Freibetrag, streicht diese 300 Euro ohne Einschränkung ein.

Abschmelzendes Geldgeschenk

Konkret: Der Freibetrag hat die größere Wirkung bei Eltern, die pro Jahr mehr als 65.000 Euro versteuern müssen. Sie bekommen die 300 Euro also überwiesen, haben am Ende des Jahres aber mehr Steuern zu zahlen. Wer unter dieser Grenze liegt, profitiert am meisten von dem Kinderbonus. Darüber schwindet der Effekt allmählich mit der Höhe des Einkommens. Ab gut 80.000 Euro aufwärts bleibt nichts mehr übrig - bei einem Kind. Mit jedem weiteren Kind steigen diese Grenzen entsprechend an.

Konjunkturpolitisch ist die Verrechnung folgerichtig: Spitzenverdiener geben einen viel geringeren Teil ihres Geldes für Konsum aus und sparen den Rest. Für den schnellen Wirtschaftsimpuls, den das Programm bringen soll, wäre das Geld verloren.

Am unteren Ende der Einkommensskala hat man ebenfalls Vorkehrungen getroffen: Während die Bezieher von Hartz IV sonst viele Zahlungen mit ihrem regelmäßigen Geld vom Amt verrechnen müssen und unter dem Strich keinen Gewinn daraus ziehen, ist es diesmal anders. Der Kinderbonus wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet, die Bezieher haben tatsächlich 300 Euro extra zur Verfügung. Diese Personengruppe wird wohl kaum etwas davon sparen, sondern das Geld eher in lange aufgeschobene Anschaffungen stecken.

Größere Entlastung für Alleinerziehende

Hinzu kommt eine Maßnahme speziell für Alleinerziehende. Wer sein Kind ohne Partner großzieht, kann normalerweise bei der Steuerklärung einen sogenannten Entlastungsbetrag geltend machen, muss also 1908 Euro seines Jahreseinkommens weniger versteuern. Dieser Entlastungsbetrag wird für zwei Jahre auf 4000 Euro angehoben. Spätestens mit dem Steuerbescheid für 2020 sollte für diese Eltern mehr Geld übrig bleiben.

Den Kinderbonus bekommen nicht alle. Aber das Ziel des Konjunkturpakets ist es, schnell Geld in die Wirtschaft zu pumpen, und gemessen daran ist das richtig so. Bei der Verteilung des Geldes - laut Berechnung von DIW-Forscher Bach 4,3 Milliarden Euro - werden vor allem jene Familien bedacht, die es am nötigsten haben.