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06. Oktober 2010, 19:18 Uhr

Konjunkturprognose

IWF erwartet kräftiges Wachstum in Deutschland

Deutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Ausblick. Das Wachstum für dieses Jahr wird voraussichtlich 3,3 Prozent betragen - mehr als doppelt so hoch wie noch im Juli prognostiziert.

Washington - Die globale Wirtschaft erholt sich von der Krise - allen voran Deutschland. Um 3,3 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wachsen, erwartet der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick. Im Juli lag das prognostizierte Wachstum noch bei 1,4 Prozent - damit erhöhte der IWF seine Voraussage um mehr als das Doppelte.

Kein anderes westliches Industrieland verzeichnet solch hohe Zuwachsraten: Die deutsche Wirtschaft legt deutlich stärker zu als die der USA, Japans, Frankreichs oder Großbritanniens. Einzig China und Indien bleiben mit Wachstumsraten um die zehn Prozent weiterhin unerreichbar. Auch für 2011 setzte der IWF die Schätzung für Deutschland von 1,6 auf 2,0 Prozent hinauf.

Mit seinem kräftigen Wachstum wird Deutschland laut IWF zum Zugpferd für die gesamte Euro-Zone. Deren Wirtschaftsleistung wird im laufenden Jahr um 1,7 Prozent und im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen - mit großen regionalen Unterschieden: Für das hochverschuldete Griechenland sagt der IWF für dieses Jahr ein Minus von 4,0 Prozent und für 2011 minus 2,6 Prozent aus. Auch die Wirtschaftsleistung von Spanien und Irland soll 2010 um jeweils 0,3 Prozent schrumpfen, ehe für 2011 ein leichter Aufschwung erwartet wird.

IWF sieht Industrieländer vor großen Aufgaben

Kurz vor den Kongresswahlen in den USA trüben sich die Aussichten des IWF für die größte Volkswirtschaft der Welt deutlich ein: Für 2010 erwartet er lediglich ein Plus von 2,6 Prozent - das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als im Juli erwartet. 2011 soll die US-Konjunktur dann nur noch um 2,3 Prozent wachsen. Die konjunkturellen Indikatoren wiesen für die USA in den kommenden Quartalen auf eine "schwache Erholung" nach der Rezession hin. Schuld daran sei vor allem die schwache Verbrauchernachfrage.

Auch die Weltwirtschaft insgesamt bewertet der IWF leicht positiver: Dieses Jahr soll sie um 4,8 Prozent zulegen, im nächsten Jahr noch um 4,2 Prozent. Die meisten Industrieländer stünden noch immer vor großen Aufgaben, mahnt der Fonds: Haushalte und Staaten seien nach wie vor zu hoch verschuldet, der Finanzsektor noch nicht ausreichend neu geordnet. Länder, die wie die USA zu stark vom Privatkonsum abhingen, müssten mehr exportieren. Staaten wie China, die zu sehr auf Ausfuhren setzten, sollten den Verbrauch ihrer Bürger ankurbeln. Ändere sich dies nicht, werde die Wirtschaftserholung kaum nachhaltig sein, warnt der Weltwährungsfonds.

fdi/AFP/dpa/dapd

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