Konjunkturprognose IWF erwartet kräftiges Wachstum in Deutschland

Deutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Ausblick. Das Wachstum für dieses Jahr wird voraussichtlich 3,3 Prozent betragen - mehr als doppelt so hoch wie noch im Juli prognostiziert.

Mechaniker mit Turbine: Volle Auftragsbücher in der deutschen Industrie
DPA

Mechaniker mit Turbine: Volle Auftragsbücher in der deutschen Industrie


Washington - Die globale Wirtschaft erholt sich von der Krise - allen voran Deutschland. Um 3,3 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wachsen, erwartet der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick. Im Juli lag das prognostizierte Wachstum noch bei 1,4 Prozent - damit erhöhte der IWF seine Voraussage um mehr als das Doppelte.

Kein anderes westliches Industrieland verzeichnet solch hohe Zuwachsraten: Die deutsche Wirtschaft legt deutlich stärker zu als die der USA, Japans, Frankreichs oder Großbritanniens. Einzig China und Indien bleiben mit Wachstumsraten um die zehn Prozent weiterhin unerreichbar. Auch für 2011 setzte der IWF die Schätzung für Deutschland von 1,6 auf 2,0 Prozent hinauf.

Mit seinem kräftigen Wachstum wird Deutschland laut IWF zum Zugpferd für die gesamte Euro-Zone. Deren Wirtschaftsleistung wird im laufenden Jahr um 1,7 Prozent und im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen - mit großen regionalen Unterschieden: Für das hochverschuldete Griechenland sagt der IWF für dieses Jahr ein Minus von 4,0 Prozent und für 2011 minus 2,6 Prozent aus. Auch die Wirtschaftsleistung von Spanien und Irland soll 2010 um jeweils 0,3 Prozent schrumpfen, ehe für 2011 ein leichter Aufschwung erwartet wird.

IWF sieht Industrieländer vor großen Aufgaben

IWF-Wachstumsprognose*

2010 2011
Euro-Raum 1,7 1,5
Deutschland 3,3 2,0
Frankreich 1,6 1,6
Italien 1,0 1,0
Spanien -0,3 0,7
Großbritannien 1,7 2,0
USA 2,6 2,3
China 10,5 9,6
Japan 2,8 1,5
Kanada 3,1 2,7
Russland 4,0 4,3
Indien 9,7 8,4
Brasilien 7,5 4,1
Mexiko 5,0 3,9

*prognostiziertes Wachstum in Prozent; Quelle: IWF

Kurz vor den Kongresswahlen in den USA trüben sich die Aussichten des IWF für die größte Volkswirtschaft der Welt deutlich ein: Für 2010 erwartet er lediglich ein Plus von 2,6 Prozent - das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als im Juli erwartet. 2011 soll die US-Konjunktur dann nur noch um 2,3 Prozent wachsen. Die konjunkturellen Indikatoren wiesen für die USA in den kommenden Quartalen auf eine "schwache Erholung" nach der Rezession hin. Schuld daran sei vor allem die schwache Verbrauchernachfrage.

Auch die Weltwirtschaft insgesamt bewertet der IWF leicht positiver: Dieses Jahr soll sie um 4,8 Prozent zulegen, im nächsten Jahr noch um 4,2 Prozent. Die meisten Industrieländer stünden noch immer vor großen Aufgaben, mahnt der Fonds: Haushalte und Staaten seien nach wie vor zu hoch verschuldet, der Finanzsektor noch nicht ausreichend neu geordnet. Länder, die wie die USA zu stark vom Privatkonsum abhingen, müssten mehr exportieren. Staaten wie China, die zu sehr auf Ausfuhren setzten, sollten den Verbrauch ihrer Bürger ankurbeln. Ändere sich dies nicht, werde die Wirtschaftserholung kaum nachhaltig sein, warnt der Weltwährungsfonds.

fdi/AFP/dpa/dapd

insgesamt 6 Beiträge
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Unterthan 06.10.2010
1. Was hab ich davon?
Zitat von sysopDeutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Ausblick. Das Wachstum für dieses Jahr wird voraussichtlich 3,3 Prozent betragen - mehr als doppelt so hoch wie noch im Juli prognostiziert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,721677,00.html
Dem Normalbürger (also so einer, der gesetzlich zwangskrankenversichert und zwangsrentenversichert ist) nützt das reichlich wenig, solange sich nur die Elite an den Gewinnen vollfrisst! Wissen wir doch um die Begehrlichkeiten, die solche Meldungen bei den Abzockern auslösen.
Uwe4270 06.10.2010
2. Im SPIEGEL Online derzeit jeden Tag: "Kräftiges Wachstum", "Boom" usw.
Es klingt schon fast wie Propaganda: seit einigen Tagen regnet es hier fast täglich Artikel von rosigen Wachstumsvorhersagen unserer nationalen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. "Langzeit Boom", "Wirtschaftswunder", "Anhaltender Konjunkturaufschwung" Jetzt berichtet dieser Artikel immerhin vom Internationalen Währungs-Fond (IWF). Das ist insofern bemerkenswert, als es sich da um eine von individuell-nationalen Zweckoptimismus distanziertere, internationale Organisation handelt. Abgesehen von der Bestätigung der von den innerdeutschen Wirtschaftsinstituten geschätzte Wachstumsrate von nahe bei 3,3% für Deutschland, ist auch der Gesamtwert des diesjährigen Wachstumsrate von 4,8% für die Weltwirtschaft bemerkenswert. Auch für nächstes Jahr sind die Zahlen optimistisch. Und bitte auch nicht übertreiben: ich habe z.B. schon hier im SPIEGEL Online im Zusammenhang mit längerfristigen Konjunkturaussichten fur die deutsche Wirtschaft das Wort "Vollbeschäftigung" gelesen. Vielleicht ist das noch etwas verfrüht? Warten wir's ab. Ich glaube kaum, das die offizielle deutsche Arbeitslosigkeitsrate in absehbarer Zukunft wesentlich unterhalb von 6,0% zu drücken ist. Denn irgendwo gibt es eine chronische Kern-Arbeitslosigkeit von sehr schwer vermittelbaren, gering-qualifizierten Langzeitarbeitslosen. So wäre in Deutschland eine hypothetische, offizielle Rest-Arbeitslosigkeit von etwa 5,0% wohl bereits einer effektiven Vollbeschäftigung gleichzusetzen.
zila 07.10.2010
3. Aufschwung oder nur Erholung?
Mich wuerde bei diesen Betrachtungen mal interessieren, wieviel von diesem Aufschwung eigentlich nur Erholung auf Vor-Fianzkrisenniveau ist?? In Kanada hatten wir Anfang auch bombige Prognosen und Wachstumsraten und mittlerweile duempelt das ganze nur noch, hatten sogar einen Monat negatives Wachstum (wohl wegen neuer Steuern). Das ging ziemlich schnell den Bach runter mit den optimistischen Prognosen fuer 2011. Und hier ging es auch nie so radikal runter wie beim Exportweltmeist und sowas wie HRE und Konsorten gab's hier gar nicht, allenfalls GM.
Egberth 07.10.2010
4. Der arme, arme Normalbürger
Zitat von UnterthanDem Normalbürger (also so einer, der gesetzlich zwangskrankenversichert und zwangsrentenversichert ist) nützt das reichlich wenig, solange sich nur die Elite an den Gewinnen vollfrisst! Wissen wir doch um die Begehrlichkeiten, die solche Meldungen bei den Abzockern auslösen.
Was hindert eigentlich den sich immer in der Opferrolle sehenden "Normalbürger" eigentlich daran, einfach mal den Arsch hochzukriegen, und sich selbständig zu machen?
JoschSche 07.10.2010
5. ...
Unablässig wird diese Propaganda in die Hirne jener Menschen gerührt, die sich der Auswirkung der Prozentrechnung nicht bewusst sind. Es soll der Eindruck erweckt werden, die Wirtschaft brummt - was dann vor allem als Rechtfertigung für die praktizierte Politik herhalten soll - für die FDP geht es politisch inzwischen ja um Kopf und Kragen (zurecht). Die Tabelle im Artikel beginnt nicht per Zufall 2010 - denn 2008/2009 musste Deutschland einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Zahlen 2011 kann man gleich vergessen - Kaffesatzleserei. So kommt es, dass 2010 in absoluten Zahlen das BIP bei ca 2470 Mrd € liegen könnte - womit man zwischen 2007 und 2008 liegen wird (absolut ohne Preisbereinigung!) DAS ist die Wahrheit hinter der Prognose des IWF. Ansonsten spiegelt sie die simple Annahme wider, dass sich die Ergebnisse von Quartal 3 und 4 2010 im längjährigen Durchschnitt des letzten Jahrzehnts bewegen. Ein Blick in den in den destatis-Download http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Internationales/InternationaleStatistik/Thema/WirtschaftFinanzen/TabJahrbuch2401,property=file.pdf zeigt so auch deutlich, dass vor allem die großen der angeführten Vergleichsländer durch die Krise nicht so schwer getroffen wurden, wie D (Ausnahme:GB) - und daher auch mit moderater Prozentsteigerung 2010 die Krise insgesamt besser bewältigt haben werden. Vor allem die Verteilungsfrage könnte für die mäßige Entwicklung in D verantwortlich sein. Ein Vergleich der destatis-Werte 2.Quartal von 2000 bis 2010 ergibt hier preisbereinigt folgendes: Arbeitnehmereinkommen pro Arbeitnehmer: -4,23% Einkommen aus Unternehmen und Kapital: +18,39% Interessant Körperschaftssteuer-Aufkommen von 2000 bis 2009: -70% (!) Und all dies soll (aus nachvollziehbaren Gründen) nun mit der Boom-Propaganda zugeklittert werden.
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