Konjunkturrisiko Deutscher Einzelhandel enttäuscht 2007

Auch das Weihnachtsgeschäft hat nichts mehr gebracht: Der deutsche Einzelhandel hat 2007 das schlechteste Ergebnis seit Jahren verbucht. Experten sind deshalb skeptisch, ob der Konsum zur erhofften Wachstumsstütze werden kann.


Wiesbaden - Es ist das höchste Umsatzminus seit fünf Jahren: Der Einzelhandel in Deutschland hat im vergangenen Jahr 2,2 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Auch das Weihnachtsgeschäft im Dezember brachte den Händlern kein Umsatzplus. Verglichen mit dem Vormonat November sanken die Umsätze im Dezember sogar leicht um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden heute mitteilte.

Einkaufszentrum in Erlangen: Schwacher Konsum enttäuscht Wirtschaftsexperten
DPA

Einkaufszentrum in Erlangen: Schwacher Konsum enttäuscht Wirtschaftsexperten

Experten führen den Rückgang vor allem auf die Mehrwertsteuererhöhung im Januar 2007 zurück. Das zeige sich besonders beim Vergleich der beiden Dezembermonate: Verglichen mit dem Dezember 2006 gingen die Umsätze im Dezember 2007 um 6,9 Prozent zurück. Im weiteren Jahresverlauf dämpften dann gestiegene Lebenshaltungskosten die Kauflaune der Verbraucher.

Das schlechte Ergebnis macht den Experten vor allem deshalb Sorgen, weil der inländische Verbrauch die Wachstumsstütze im laufenden Jahr werden sollte. "Wir rechnen zwar mit einer Belebung der Konsumausgaben im Jahr 2008, allerdings hängt dies stark von der weiteren Entwicklung der Energiepreise ab", sagte Commerzbank-Experte Matthias Rubisch.

Sollten die nach wie vor hohen Ölpreise nicht wie erhofft nachgeben, so stelle dies eine Gefahr für den privaten Verbrauch im laufenden Jahr dar, sagte Rubisch. "Eine Hoffnung für den Konsum in Deutschland ist nach wie vor die Tatsache, dass der Staat die Verbraucher im laufenden Jahr durch Abgaben und Steuern nicht weiter belastet."

"Nahe am Desaster"

Deutlich pessimistischer als die Commerzbank Chart zeigen gibt sich indes die UniCredit. Die deutschen Einzelhandelsumsätze bewegen sich nach Einschätzung der Bank derzeit nahe am Desaster. So ergebe sich nach den enttäuschenden Dezember-Zahlen für das vierte Quartal ein Rückgang der Einzelhandelsumsätze um drei Prozent, heißt es in einer Studie der Bank. Dies sei das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 1980.

Vor diesem Hintergrund stelle eine mögliche US-Rezession nicht das größte Risiko für die deutsche Konjunktur dar, sondern vielmehr die weitere Entwicklung der Verbraucherausgaben. Eine "Konsum-Rezession" mit einem Rückgang des Konsums in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sei daher nicht mehr auszuschließen, warnte UniCredit-Experte Andreas Rees.

sam/Reuters/AFP/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.