Konjunktursorgen Dow Jones verliert fast 700 Punkte

Die US-Wirtschaft in der Rezession und düstere Prognosen von Notenbank-Chef Bernanke: Eine Reihe schlechter Nachrichten hat den Dow-Jones-Index in New York massiv in die Tiefe gezogen - er schloss beinahe acht Prozent im Minus. Fast genauso schlimm erwischte es den Dax.


New York - Sturzflug an der Wall Street: Wegen Konjunktursorgen hat der New Yorker Aktienmarkt am Montag deutlich schwächer geschlossen. Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte fiel um 679 Punkte und notierte zum Handelsschluss 7,7 Prozent im Minus bei 8147 Punkten - nach einer fünftägigen Kursrallye folgt nun die Talfahrt. Der Dow Jones büßte mehr als die Hälfte des Kursanstiegs der vergangenen fünf Handelstage ein - das waren 1276 Punkte gewesen.

Händler an der Wall Street: Absturz nach dem Höhenflug
AP

Händler an der Wall Street: Absturz nach dem Höhenflug

Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss 8,9 Prozent schwächer bei 816 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigenverlor neun Prozent und ging mit 1398 Punkten aus dem Handel.

Ursache ist vor allem eine Mitteilung des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung in den USA (NBER): Die Behörde gab offiziell bekannt, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft seit Dezember 2007 in der Rezession befindet. Zuvor sei die größte Volkswirtschaft der Welt 73 Monate lang gewachsen, hieß es am Montag, nachdem sich die Fachleute in einer Telefonkonferenz mit den neusten Konjunkturdaten beschäftigt hatten.

Das private Institut bestimmt den Anfang und das Ende von Konjunkturzyklen in den USA und benutzt eine breite Definition von Rezession. Nach einer engeren Festlegung spricht man erst dann von einer Rezession, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpft.

Zusätzlich verdarb die Aussicht auf ein schlechtes Weihnachtsgeschäft den Anlegern nach den Kursgewinnen der letzten Woche die Kauflaune. Die Bauausgaben im Oktober waren stärker als erwartet gesunken, und der ISM- Einkaufsmanagerindex der Industrie im November fiel überraschend deutlich.

Zudem drückten schlechte Nachrichten aus Asien und der Euro-Zone auf die Stimmung: Den Unternehmen in diesen Regionen brechen Umfragen zufolge im Rekordtempo die Aufträge weg.

Und: Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke hätten die Märkte wieder an die derzeitigen und noch bevorstehenden Schwierigkeiten erinnert, sagten Händler. Die amerikanische Wirtschaft bleibt nach Einschätzung des Präsidenten der Federal Reserve unter "bedeutsamen Stress".

Wal-Mart-Aktien geben nach, kräftige Verluste für Finanztitel

Dem Konsumforscher ShopperTrak zufolge steigerten die Einzelhandelsriesen am ersten Handelstag nach dem Erntedankfest, dem "Black Friday", ihren Umsatz zwar um drei Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Das war aber deutlich geringer als das Wachstum von 8,3 Prozent im vergangenen Jahr.

In der Folge gaben Aktien des Handelsriesen Wal-Mart um rund fünf Prozent nach, die Papiere der Bekleidungskette Abercrombie & Fitch verloren sogar fast 15 Prozent. Zudem fiel die Industrieproduktion im November laut dem Institute for Supply Management auf ihren tiefsten Stand seit 26 Jahren. Im Handelsverlauf belasteten die Bernanke-Aussagen die Kurse weiter. Die Politik müsse mit Elan gegen die Risiken für die finanzielle Stabilität und das Wirtschaftswachstum vorgehen, sagte der Fed-Chef. Seine Andeutung einer weiteren Zinssenkung Mitte Dezember konnte die Börsianer nicht trösten.

Auch Finanztitel verbuchten kräftige Verluste. Die Aktien der Bank of America verloren über 20 Prozent, die von Goldman Sachs fast 17 Prozent. Citigroup-Aktien brachen um rund 22 Prozent ein. Die Großbank kaufte dem spanischen Baukonzern Sacyr Vallehermoso für 7,9 Milliarden Euro sein Autobahn-Geschäft Itinere ab. Energietitel wurden von einem sinkenden Ölpreis nach unten gezogen: Die Aktien von Exxon Mobil gaben 7,3 Prozent nach. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl fiel zeitweise unter die Marke von 50 Dollar.

Der Autobauer Ford sorgte nur zwischenzeitlich für Kauflaune. Er kündigte an, er erwäge den Verkauf seiner schwedischen Tochter Volvo. Ford-Aktien legten nach der Ankündigung zehn Prozent zu, büßten ihre Gewinne jedoch wieder ein und schlossen rund fünf Prozent im Minus.

Auch an der Frankfurter Börse ging es abwärts: Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen rutschte am Montag um 5,9 Prozent auf 4395 Punkte. Der MDax Chart zeigen fiel um 4,9 Prozent auf 5093 Zähler und der TecDax Chart zeigen gab 6,0 Prozent auf 467 Punkte nach. Zur Begründung verwiesen Händler auf den schwachen ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA. Dieser fiel im November auf 36,2 Punkte und erreichte damit das niedrigste Niveau seit Mai 1982.

Schon bevor das NBER gegen Mittag (Ortszeit) sein Statement veröffentlichte, hatten die Börsen auf die schlechten Nachrichten reagiert: Im Dax stürzten vor allem die Titel ab, die zuletzt an den Aktienmärkten wieder gefragt waren. "Die Bewegung ist heftig, die Umsätze sind aber niedrig. Viele Marktteilnehmer haben mit dem Jahr schon abgeschlossen und sind nicht mehr am Markt", sagte ein Händler. In Paris, London oder Madrid sackten die Aktienmärkte ähnlich stark ab, und der Stoxx 50 Chart zeigen beendete die Sitzung sechs Prozent niedriger bei 2030 Zählern.

ffr/dpa-AFX/AP/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.