Konjunkturwarnung OECD sieht Gefahr einer internationalen Deflation

Der Abschwung der Weltwirtschaft könnte schlimmer werden als bislang angenommen: Angesichts der weltweiten Rezession warnt die OECD vor einer weiteren Verschlechterung der Konjunktur - es drohe gar eine internationale Deflation.


Rom - Er redet nicht mehr drum herum - und spricht erstmals von einer internationalen Deflation: "Das ist eine reales Risiko, dem wir ins Auge sehen müssen", sagte der stellvertretende OECD-Generaldirektor Pier Carlo Padoan am Mittwoch in Rom. Das Thema Deflation sollte ernst genommen werden "angesichts der schnell fallenden Preise für Rohstoffe und des Umstandes, dass die Rezession die Nachfrage drückt". Es sei daher richtig, dass sich die Entscheidungsträger in den Industriestaaten damit beschäftigten.

Im Gegensatz zur Inflation ist Deflation durch einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum hinweg gekennzeichnet. Beginnen die Preise für Waren und Dienstleistungen erst einmal zu sinken, lauern Verbraucher auf noch günstigere Angebote - mit verheerenden Folgen für den Konsum, der in den meisten Industrieländern deutlich mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Die Inflation ist wegen des Preisverfalls für Rohöl und andere Rohstoffe weltweit auf dem Rückzug. Ein Fass Rohöl kostet derzeit nur noch knapp 50 Dollar - rund 100 Dollar weniger als im Juli, weil die Nachfrage wegen der Wirtschaftsflaute sinkt. Dadurch halbierte sich die Inflationsrate in der Euro-Zone auf 2,1 Prozent.

Tatsächlich hält die OECD die Finanzkrise noch lange nicht für ausgestanden: Selbst den Untergang einer weiteren großen Bank hält die Organisation für durchaus möglich. "Wir wären nicht überrascht, wenn eine weitere große Bank pleitegehen würde", sagte Padoan weiter. Ein hohes Risiko sieht Padoan derzeit vor allem in einem weltweiten Liquiditätsengpass. "Das ist ein grundsätzliches Risiko." Die Wirtschaftsstimmung sei aktuell so schlecht, dass vorhandene liquide Mittel trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen möglicherweise nicht genutzt würden.

sam/Reuters/dpa-AFX

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