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22. Juni 2009, 08:26 Uhr

Konkurrenz für Metro

Shopping-Center-Betreiber bietet für Karstadt-Filialen

Um die Karstadt-Häuser entbrennt ein Bieterstreit: Neben der Metro zeigt nun auch das Unternehmen Mfi Interesse an insgesamt 20 Filialen der insolventen Arcandor-Tochter. Der Konzern ist einer der größten deutschen Shopping-Center-Betreiber.

Düsseldorf - Einer der größten deutschen Betreiber von Shopping-Centern plant offenbar den Einstieg ins Kaufhausgeschäft: Die Management für Immobilien AG (Mfi), ist laut "Handelsblatt" an der Übernahme mehrerer Karstadt-Warenhäuser interessiert.

Kölner Karstadt-Filiale: Insolvenz eröffnet neue Chancen
DPA

Kölner Karstadt-Filiale: Insolvenz eröffnet neue Chancen

"Wir halten 20 der 91 Warenhausstandorte für umbaufähig und werden deshalb für sie bieten", sagte Mfi-Chef Matthias Böning, der Zeitung. Sobald das Insolvenzverfahren des Mutterkonzerns Arcandor am 1. September eröffnet sei, werde man sich um eine Übernahme bemühen.

Infrage kommen laut Bericht für Mfi nicht nur Standorte, die Vermieter Highstreet gehören. Auch unter den fünf Filialen des Oppenheim-Esch-Fonds gebe es interessante Häuser. "Wir haben uns mit allen 91 Standorten beschäftigt", sagte Böning.

Wegen der kräftigen Mietzahlungen durch Karstadt und hoher Kosten, die bislang bei einem Umbau drohten, hätten die Vermieter Übernahmeofferten in der Vergangenheit stets zurückgewiesen. "Durch die Arcandor-Insolvenz wird das nun sicherlich anders werden", sagte der Mfi-Chef.

Finanzierungsschwierigkeiten erwartet der Mfi-Chef nicht. Zudem sollten die Objekte nach dem Umbau über Fonds an institutionelle Anleger weitergereicht werden. Mfi werde das Management der Center 10 bis 15 Jahre behalten, sagte Böning.

Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und den Betrieb innerstädtischer Einkaufszentren spezialisiert und hat derzeit 25 Objekte im Portfolio, darunter etwa die Wilmersdorfer Arcaden in Berlin oder die Riem-Arcaden in München. An einem Großteil der Karstadt-Häuser hat auch die Metro-Gruppe mit ihrer Warenhaus-Tochter Kaufhof Interesse angemeldet.

Konkurrent für Metro

Der Mfi-Vorstoß erhöht den Druck auf Eckhard Cordes. Der Metro-Chef ist ebenfalls an der Übernahme vieler Karstadt-Filialen interessiert. Er will etwa 60 der 91 Karstadt-Häuser mit seiner Konzerntochter Kaufhof verschmelzen. Bislang sieht er sich in einer "Position der Stärke": "Wir haben Zeit und werden eine Übernahme nicht um jeden Preis machen", sagte Cordes in einem Interview mit dem SPIEGEL.

Eine Garantie für eine Übernahme gab Cordes jedoch nicht. Zwar sei die von der Metro favorisierte Fusion von Karstadt und der Metro-Tochter Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG "ordnungspolitisch sinnvoll und vor allem für die Belegschaften ideal". Doch "je länger der Schwebezustand dauert" und womöglich noch Hedgefonds die abgestoßenen Anteile des Arcandor-Großaktionärs Sal. Oppenheim übernähmen, "umso schwieriger wird es", betonte Cordes gegenüber dem SPIEGEL.

"Wenn Karstadt erst mal anfängt zu erodieren, können wir keine Wiederbelebungsversuche mehr starten", denn dann würden "selbst wir uns nicht mehr zutrauen, das Geschäft noch zu drehen", mahnte der Metro-Chef.

Cordes ist deshalb überzeugt, dass "die normative Kraft des Faktischen" zeigen werde, "dass unser Angebot die letzte Chance für eine große Lösung und damit auch zur Rettung der Mitarbeiter ist".

Überrascht äußerte sich Cordes im SPIEGEL über die öffentlich geäußerte Ablehnung der Fusionspläne durch Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und Sal. Oppenheim. Schon vor Wochen, so der Metro-Chef, hätten Eick und Vertreter der Bank "diese Idee mehrfach mit uns angesprochen", kurz nach Eicks Amtsantritt seien sogar bereits "erste Finanzdaten ausgetauscht" worden. Und "noch in der Nacht vor dem Insolvenzantrag" hätten Vertreter der Bank angerufen, "ob die Metro AG möglicherweise Arcandor finanziell aushelfen könnte", versicherte Cordes dem SPIEGEL.

ssu/AFP/ddp/Reuters

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