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01. Dezember 2008, 09:10 Uhr

Konsumflaute

Umsätze im Einzelhandel sinken überraschend stark

Mieses Zahlen für den Einzelhandel: Im Oktober sind die Umsätze stärker zurückgegangen als von Experten erwartet. Die Fachleute fürchten nun, dass das Weihnachtsgeschäft schlechter ausfällt als bislang angenommen.

Wiesbaden - In Deutschland kommt der Einzelhandel nicht in Schwung. Die Einzelhandelsumsätze seien im Oktober auf Monatssicht preis- sowie saison- und kalenderbereinigt um 1,6 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit.

Einkaufszentrum in Hamburg: Wachstumsimpulse aus dem Inland
AP

Einkaufszentrum in Hamburg: Wachstumsimpulse aus dem Inland

Experten hatten einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Nominal sanken die Umsätze im Einzelhandel um 1,7 Prozent. Im Jahresvergleich gingen die Umsätze real um 1,5 Prozent zurück, während sie nominal um 0,9 Prozent zulegten.

"Ich hätte eher gedacht, dass in einem Umfeld, in dem die Teuerungsraten ein Stück weit zurückkommen, die Umsätze zunehmen", sagte Jörg Lüschow von der WestLB. "Die Zahlen widersprechen dem, was wir beim GfK-Index gesehen haben, das passt nicht ganz zusammen. Nun muss man sehen, wie das Weihnachtsgeschäft läuft, aber allzu große Hoffnungen sollte man sich nicht machen." Bislang hatte der Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft trotz Rezession mit guten Umsätzen gerechnet.

Sein Kollege Jens-Oliver Niklasch von der LBBW sagte: "Wir können nicht davon ausgehen, dass sich der private Konsum von der allgemeinen Abwärtsentwicklung abkoppeln kann. Er dürfte als Konjunkturmotor ausfallen."

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober real 2,8 Prozent weniger und nominal 0,7 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln sanken die Umsätze real um 0,6 Prozent, nominal stiegen sie hingegen um 1,1 Prozent. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres setzte der gesamte Einzelhandel real 0,4 Prozent weniger und nominal 2,3 Prozent mehr um als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Mehr Geld wurde für Kleidung ausgegeben. Auch bei Büchern oder Schmuck lief das Geschäft gut. Die Ergebnisse für Oktober wurden aus Daten von sieben Bundesländern berechnet, in denen gut drei Viertel des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel getätigt werden. Diese stehen für rund 80 Prozent des Umsatzes.

Am ersten Adventswochenende lief das Geschäft laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) gut an. Besonders in Kauf- und Warenhäusern, Möbel- und Einrichtungsgeschäften sowie Elektronikmärkten und Haushaltswarenläden wird demnach viel gekauft. Im Trend liegen den Angaben vom Sonntag zufolge Schmuck und Uhren, Pullover und Strickwaren, Flachbildschirme und Navigationshandys sowie elektronische und klassische Spielwaren.

ssu/AFP/dpa-AFX

In einer früheren Version dieser Meldung war in Überschrift und Zeile von Gewinnen statt Umsätzen die Rede. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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