Konsumklima Angst lähmt den Aufschwung

Stellenabbau, Entlassungen, Gehaltskürzungen: Die Horrormeldungen aus der Wirtschaft haben nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung bei den Verbrauchern tiefe Spuren hinterlassen. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und sinkenden Einkommen führt zu regelrechter Konsumverweigerung.


Kaufhaus: Das Jahr 2004 ist gelaufen
DDP

Kaufhaus: Das Jahr 2004 ist gelaufen

Berlin - "Offenbar haben die Meldungen über Unternehmenskrisen wie bei KarstadtQuelle und Opel dazu geführt, dass vermehrt Arbeitnehmer um ihren Job fürchten müssen und dann auch ihre Einkommensaussichten vorsichtiger einschätzen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Der Indikator für die Einkommenserwartungen sei um 3,2 auf minus 15,5 Zähler gesunken. Viele Beschäftigte befürchteten wohl auch, dass sie auf Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten müssen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern.

"Damit ist das Jahr 2004, was den Konsum als Konjunkturmotor betrifft, mehr oder weniger gelaufen. Auch zum Jahresende sind keine spürbaren Impulse mehr zu erwarten", sagte Bürkl. Den bislang besonders unter der fehlenden Kauflaune leidenden Branchen konnte er denn auch keine Hoffnung auf baldige Besserung machen. "Gegenwärtig ist es eher unwahrscheinlich, dass die Verbraucher kurzfristig ihre Zurückhaltung aufgeben werden", so der Experte. Der Indikator für die Konsumneigung sei um 1,2 auf minus 28,6 Punkte zurückgegangen. Die fehlende Kauflaune der Deutschen gilt als Hindernis für einen kräftigeren Wirtschaftsaufschwung in Deutschland.

Zur Angst um den Arbeitsplatz kämen noch steigende Energiekosten, die Löcher in die Budgets der Haushalte rissen. Der von Rekord zu Rekord eilende Ölpreis und der steigende Euro haben zuletzt die Sorgen genährt, dass auch der Export als einzige Stütze der Konjunktur wegbrechen könnte. Noch erwarten Bundesbank und Wirtschaftsforscher 1,5 Prozent Wachstum für 2005, die Regierung ist etwas optimistischer.

Dass das GfK-Konsumklima für November dank einer geringeren Sparneigung mit 2,3 Punkten trotzdem stabil blieb, registrierten Volkswirte mit Blick auf die jüngste Flut schlechter Nachrichten mit Erleichterung. "Es hätte schlimmer kommen können angesichts der Probleme bei Karstadt und Opel", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank.

Die Experten erwarten, dass die Deutschen frühestens im Laufe des kommenden Jahres wieder mehr Geld ausgeben werden. "Die Umfrage deutet darauf hin, dass es im dritten Quartal keine große Belebung beim Konsum gegeben hat", sagte Scheuerle. Die GfK befragt pro Monat rund 2000 Personen und berechnet daraus das Konsumklima für den Folgemonat.



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