Konsumklima auf Rekordtief »Seit Beginn der Erhebung wurde kein schlechterer Wert gemessen«

Die Angst vor der nächsten Gasrechnung drückt die Ausgaben der Deutschen. Selbst während der Corona-Lockdowns war die Stimmung besser. Die Frauen und Männer haben hierzulande vor allem um eines Angst: ihr Einkommen.
Selbst während der Corona-Lockdowns war die Konsumstimmung besser

Selbst während der Corona-Lockdowns war die Konsumstimmung besser

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Die Konsumflaute in Deutschland hat wegen der hohen Inflation und der Unsicherheiten in Folge des Ukrainekriegs einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Rekordtief des vergangenen Monats sei unterboten worden, teilte das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK auf Basis seiner jüngsten Umfrage zum Konsumklima in Deutschland am Mittwoch mit.

»Seit Beginn der Erhebung der Verbraucherstimmung für Gesamtdeutschland im Jahr 1991 wurde kein schlechterer Wert gemessen«, teilte GfK mit. Selbst in den Lockdown-Phasen der Coronapandemie war die Stimmung besser. In normalen Zeiten bewegt sich die Kurve der Konsumstimmung stabil um einen Wert von zehn. Im ersten Corona-Lockdown fiel sie auf einen Tiefpunkt von etwa minus 24. Für August prognostiziert GfK einen Wert von minus 30,6.

Vor allem um das Einkommen machen sich Menschen Sorgen

»Zu den Sorgen um unterbrochene Lieferketten, den Ukrainekrieg und stark steigende Energie- und Lebensmittelpreise kommen nun Befürchtungen um eine ausreichende Gasversorgung von Wirtschaft und privaten Haushalten im nächsten Winter«, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. »Dies drückt derzeit die Stimmung der Verbraucher in den Keller«, betonte er. Das knappe Erdgasangebot – Russland hat angekündigt, seine ohnehin reduzierten Lieferungen zu halbieren – dürfte den Druck auf die Energiepreise und damit die Inflation noch erhöhen.

Vor allem, was ihr Einkommen angeht, machen sich die Menschen in Deutschland erhebliche Sorgen. Ausgelöst würden die Ängste durch die hohen Energiekosten, aber auch durch die Schwäche des Euros gegenüber dem Dollar. Dies verteuere deutsche Importe, die in Dollar zu bezahlen sind, und treibe die Inflation im Euroraum nach oben.

In der Folge nimmt auch die Anschaffungsneigung ab – hier sank der Wert auf den tiefsten Stand seit Oktober 2008 mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. »Wenn für Energie und Lebensmittel deutlich mehr Geld ausgegeben werden muss, fehlen diese Mittel für andere Anschaffungen«, so Bürkl.

GfK befragt im Auftrag der EU-Kommission jeden Monat rund 2000 Menschen in Deutschland zum Konsumklima. Dabei geht es nicht nur um Ausgaben im Einzelhandel, sondern vor allem auch um Ausgaben für Reisen, Dienstleistungen, Gesundheit und Wellness.

ani/AFP/dpa
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