Konsumverweigerung Amerikaner sparen sich in die Rezession

In der Krise halten die Amerikaner ihr Geld zusammen: Die Konsumausgaben sind im November zum fünften Mal in Folge gesunken. Damit verdüstern sich die Wirtschaftsaussichten weiter - denn auch andere Daten sind schlecht wie lange nicht mehr: Die Zahl der Arbeitslosenhilfe-Anträge stieg auf ein 26-Jahres-Hoch.


Washington - Die Angst vor der Krise führt zur Krise: Angesichts der düsteren Aussichten und schrumpfender Einkommen setzen die US-Bürger vermehrt auf Sparen als auf Geldausgeben. Die Konsumausgaben sanken im November um 0,6 Prozent - und damit zum fünften Mal in Folge. Damit dürfte die US-Wirtschaft wohl im vierten Quartal geschrumpft sein - denn der private Konsum ist unentbehrlich für das amerikanische Wirtschaftswachstum. Er macht zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Rabattangebote in Annapolis, Maryland: Amerikaner sammeln ihr Geld derzeit lieber auf dem Konto
AFP

Rabattangebote in Annapolis, Maryland: Amerikaner sammeln ihr Geld derzeit lieber auf dem Konto

Tatsächlich gehen die Amerikaner, die Arbeit haben, mit ihrem Einkommen immer vorsichtiger um. So stieg die Sparrate im November auf 2,8 Prozent des verfügbaren Einkommens. Im Oktober lag sie noch bei 2,4 Prozent. Das ist zwar immer noch ein relativ niedriges Niveau, zeigt aber, dass die Amerikaner ihr Geld lieber auf dem Konto ansammeln, anstatt den Konsum anzukurbeln. Da auch die Einkommen leicht rückläufig waren, brachten die billigeren Preise keine Erleichterung.

Fast zwei Millionen Menschen haben Job verloren

Außerdem zeigen am Mittwoch veröffentlichte Daten, dass sich die Lage am US-Arbeitsmarkt weiter rapide verschlechtert. In der vergangenen Woche stellten so viele Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit 26 Jahren nicht mehr. Dem Handelsministerium zufolge stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in der Woche bis zum 20. Dezember auf 586.000. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 560.000 gerechnet. In diesem Jahr haben in den USA bislang fast zwei Millionen Menschen ihre Arbeit verloren.

Erst am Dienstag hatte das US-Handelsministerium ihre Schätzung für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal veröffentlicht. Danach geht man dort von einem Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Damit wäre die US-Wirtschaft so stark geschrumpft wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im zweiten Quartal war sie noch um 2,8 Prozent gewachsen.

Auch der Wachstumseinbruch im dritten Quartal ist den Angaben zufolge vor allem auf schwache Konsumausgaben zurückzuführen. Die Ausgaben der privaten Haushalte auf Quartalssicht sanken um 3,8 Prozent. Besonders ausgeprägt war der Einbruch bei langlebigen Gütern. Hier wurde ein Einbruch um 14,8 Prozent verzeichnet. Die Konsumausgaben machen etwa zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus.

Noch düsterer sind die Prognosen für das vierten Quartal: Viele Experten erwarten angesichts langsamer Kreditflüsse, weiter sinkender Immobilienpreise und noch stärkeren Einbrüchen beim Verbraucherverhalten, dass die Wirtschaft in den letzten drei Monaten auf Jahresbasis um sechs Prozent schrumpft.

Auch das Exportwachstum brach regelrecht ein. Es schwächte sich von 12,3 Prozent im Vorquartal auf drei Prozent ab. Die Importe sanken um 3,5 Prozent, nachdem sie schon im Vorquartal um 7,3 Prozent gefallen waren. Die Investitionen der Unternehmen sanken um 1,7 Prozent, nach einem Zuwachs von 2,5 Prozent im Quartal zuvor.

sam/Reuters



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