Konzernchef entnervt EADS-Vorstand will aufgeben

Der Streit der Nationen fordert ein erstes Opfer: EADS-Vorstandsmitglied Jean-Paul Gut ist es leid, dass sich Deutsche und Franzosen seit Wochen beharken. Genervt will er zurücktreten, schreibt eine französische Zeitung.


Paris - Der Streit um die Sanierung des Flugzeugherstellers Airbus könnte personelle Folgen haben. Jean-Paul Gut, Vorstand für Strategiefragen beim Mutterkonzern EADS Chart zeigen, sei von dem deutsch-französischen Streit völlig entnervt, schreibt die französische Zeitung "La Tribune". Gut erwäge, das Unternehmen zu verlassen. Er könnte ein Beratergeschäft in London aufmachen und dabei seine internationalen Kontakte nutzen, schreibt die Zeitung.

"La Tribune" beruft sich auf Personen, die Gut nahe stehen. Der Manager gilt als enger Vertrauter von EADS-Co-Chairman Arnaud Lagardère. Dieser wiederum ist ein klarer Verfechter französischer Interessen. Zuletzt hatte er erklärt, die Interessen Frankreichs "kompromisslos" zu vertreten. Sollte Gut den Konzern verlassen, dürfte dies das Gleichgewicht der Nationen verschieben - und damit neue Reibereien zwischen Deutschen und Franzosen auslösen.

Am heutigen Freitag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac, um über die Sanierung bei Airbus zu sprechen. Das Unternehmen selbst hatte die Bekanntgabe seines Sanierungsprogramms "Power 8" zunächst verschoben. Nun soll das Programm bis zum 9. März veröffentlicht werden. "Der EADS-Aufsichtsrat wird seine Entscheidung gegen Ende Februar treffen", sagte ein Sprecher gestern. Damit soll die Entscheidung noch vor der Veröffentlichung der Jahresbilanz des Konzerns am 9. März fallen.

wal/Dow Jones



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