Konzernkrise Ökonomen üben harsche Kritik an Opel-Sanierung

Führende Wirtschaftswissenschaftler lehnen das Vorhaben des Autoherstellers Opel ab, mehr als 6000 Arbeitnehmer in so genannten Beschäftigungsgesellschaften unterzubringen. Die Verhandlungen über zusätzliche Sparmaßnahmen gehen weiter.

Hamburg - Der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Franz bezeichnete das Vorhaben gegenüber dem SPIEGEL "eher als reine Verschleierungsmaßnahme, mit der Unternehmen und Gewerkschaft den verabredeten Personalabbau bemänteln wollen". Den Beschäftigten bringe das Konzept zwar finanzielle Vorteile, "ob es ihnen aber auch hilft, rascher wieder eine reguläre Stelle zu finden, ist mehr als zweifelhaft".

Franz, der Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung ist, verweist auf die ernüchternden Erfahrungen mit Beschäftigungsgesellschaften in Ostdeutschland: "Dort haben sich die Jobchancen von Arbeitslosen vielfach sogar verschlechtert."

Der Kölner Ökonom Johann Eekhoff kritisiert das geplante Sanierungskonzept als "eklatante Ungleichbehandlung". Beschäftigungsgesellschaften wie bei Opel seien "in dieser Form ausschließlich in Großbetrieben möglich". Finanziert würden sie aber von der Bundesagentur für Arbeit "und damit von allen Beitragszahlern, vor allem solchen aus kleinen und mittleren Unternehmen".

Verhandlungen gehen weiter

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM)   hatte am Donnerstag einen Sparplan für das defizitäre Europageschäft vorgestellt. Der US-Autobauer will seine Kosten um mindestens eine halbe Milliarde Euro jährlich senken. Wie schon im Oktober angekündigt, sollen in Europa rund 12.000 Stellen wegfallen, etwa 10.000 in Deutschland bei Opel. Zu betriebsbedingten Kündigungen wird es entgegen früherer Befürchtungen der Belegschaft aber wohl nicht kommen. Unter anderem sollen Opel-Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften wechseln.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hatte bereits am Donnerstag signalisiert, dass die Verhandlungen über Einsparungen mit dem ersten Kompromiss noch nicht vorbei seien. In einem nächsten Schritt werde es neben den übertariflichen Leistungen darum gehen, wo die Mittelklasse von GM künftig produziert werde - in Rüsselsheim oder im schwedischen Trollhättan.

Weitere Sparpakete werden geschnürt

GM visiert laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" auch Einsparungen im Einkauf und in der internen Organisation wie Verwaltung, Forschung und Entwicklung von rund 300 Millionen bis 400 Millionen Euro an

GM nehme jetzt die variablen Kosten unter die Lupe, nachdem auf der Fixkosten-Seite mit dem Personalabbau ein wichtiger Schritt vollzogen worden sei, hieß es aus Unternehmenskreisen. Die Einspareffekte könnten allerdings voraussichtlich erst ab 2006 zu beobachten sein. Denn dazu müssten die meist über mehrere Jahre geltenden Verträge mit den Zulieferern neu verhandelt werden.

Ebenso versucht GM, die Lohnkosten zu drücken, wodurch in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro eingespart werden sollen. So könnte das angestrebte Sparvolumen knapp eine Milliarden Euro erreichen.

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