Konzernumbau Telekom will Streik juristisch unterbinden

Die Deutsche Telekom will 50.000 Mitarbeiter in eine neue Firma ausgliedern. Die wollen dagegen streiken. Der Konzern reagiert mit Zuckerbrot und Peitsche: Er will juristisch gegen einen Arbeitskampf vorgehen und schließt zugleich ein verbessertes Angebot nicht aus.


Berlin - Die Deutsche Telekom Chart zeigen erwägt offenbar, gegen einen möglichen Streik seiner von den Ausgliederungsplänen betroffenen Mitarbeiter rechtlich vorzugehen. Man werde sich die "juristische Standhaftigkeit" der Streiks anschauen, sagte Telekom-Verhandlungsführer Karl-Gerhard Eick heute in der ARD. Ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder sagte im WDR, die Telekom müsse sich auf Verhandlungen einlassen, bei denen "der Schutz des Einkommens" im Vordergrund stehen müsse. Wenn nicht, werde man eine Urabstimmung einleiten. "Und das würde dann Streik bedeuten."

Protest von Telekom-Mitarbeitern: Konzern sieht keine Alternative zur Ausgliederung
DPA

Protest von Telekom-Mitarbeitern: Konzern sieht keine Alternative zur Ausgliederung

Eick sagte im Hinblick auf die Streikdrohung, man bewege sich in einer "verkehrten Welt". Der Konzern wolle Betriebsteile "von einem Tarifvertrag in einen anderen" verlagern, beide seien von Ver.di unterzeichnet, betonte Eick. "Was gibt's da zu streiken?" Schröder hingegen sagte, die verschiedenen Verträge würden für unterschiedliche Bereiche gelten. "Die machen eben nicht die gleiche Arbeit", sagte Schröder. "Da werden Menschen, die hochqualifizierte technische Dienstleistungen erbringen, mit Bestellannahmen verglichen."

Eick, Finanz- und Personalvorstand der Telekom, verteidigte die geplante Ausgliederung von 50.000 Service-Mitarbeitern in eine neue Tochtergesellschaft gegen Kritik von Ver.di. Es gebe keine Alternative zu diesem Schritt, sagte Eick. Zudem trat er dem Vorwurf entgegen, die betroffenen Mitarbeiter müssten Managementfehler ausbaden. "Natürlich hat man auch Fehler gemacht, vielleicht hat man auch zu hohe Tarifverträge abgeschlossen", sagte er. Grundsätzlich bringe es aber nichts, "über Managementfehler der Vergangenheit" zu reden. "Es nutzt nichts, nach hinten zu blicken, wir müssen nach vorne schauen."

Eick drohte erneut damit, die neue Service-Gesellschaft zu verkaufen, sollte sich Ver.di querstellen. "Natürlich müssen wir als Unternehmen uns diese Option offenhalten." Ver.di sei angeboten worden, über einen Nicht-Verkauf und einen Kündigungsschutz zu verhandeln. Bedingung sei aber, dass man zu "wettbewerbsfähigen Konditionen" komme. Wenn sich eine Arbeitsstunde von außen für 30 Euro einkaufen lasse, könne die Telekom dafür nicht 60 Euro aufwenden.

Zugleich sagte Eick, er schließe ein verbessertes Angebot nicht aus. "Dazu sind wir grundsätzlich immer bereit, so lange wir noch in Verhandlungen sind, sagte er auf die Frage, ob das Unternehmen sein Angebot gegebenenfalls nachbessern werde. Er betonte, er sei trotz der zähen Verhandlungen weiter optimistisch. "Wir können das noch schaffen, aber dazu müssen wir es beide wollen." Beide Seiten bleibe noch Zeit bis Ende April.

Nach derzeitigen Plänen der Telekom sollen die von der Ausgliederung betroffenen Mitarbeiter der Festnetzsparte mindestens 38 statt bislang 34 Stunden in der Woche arbeiten. Die Entgelte sollen schrittweise um bis zu zwölf Prozent gekürzt werden. Die Gewerkschaft will die Telekom zu umfassenden tariflichen Zusagen bewegen.

kaz/Reuters/dpa/ddp



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