Korb für Putin Bush-Freund lehnt Job bei russischem Ölriesen ab

Kaum war Altkanzler Schröder für den Gaskonzern Gasprom gewonnen, umwarb Russlands Präsident Putin schon den nächsten ausländischen Spitzenpolitiker: Der ehemalige US-Handelsminister und Bush-Vertraute Donald Evans sollte beim Ölriesen Rosneft einsteigen. Doch Putin holte sich einen Korb.


Moskau/New York - Es ist alles eine Frage der Interpretation: Skeptiker mögen vermuten, der russische Präsident Wladimir Putin werbe deshalb ausländische Ex-Politiker für russische Unternehmen an, um deren internationale Kontakte zu nutzen. Der frühere US-Handelsminister Donald Evans sieht das anders.

Bush-Freund Evans: "Ich hätte nicht genug Zeit gehabt"
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Bush-Freund Evans: "Ich hätte nicht genug Zeit gehabt"

Evans sollte - wäre es nach Putin gegangen - ein Spitzenamt beim russischen Ölkonzern Rosneft bekommen. Damit wäre er nach Altkanzler Gerhard Schröder schon der zweite ausländische Politiker gewesen, der innerhalb kürzester Zeit für eine Spitzenposition in einem russischen Staatskonzern angeworben worden wäre.

Evans wertete dies laut "Wall Street Jornal" als ein klares Zeichen für die Bemühungen Russlands um internationale Standards in Sachen Firmentransparenz. Dennoch lehnte er ab.

Mit der Kritik an seinem möglichen Engagement habe das jedoch nichts zu tun, betonte der Bush-Vertraute. "Ich hätte nicht genügend Zeit für die sehr verantwortungsvollen Aufgaben des Jobs gehabt", begründete der Ex-Politiker den Verzciht.

Welchen Job er bei Rosneft genau antreten sollte, bleibt unklar. Putin hätte ihm bei einem Besuch in Moskau lediglich gefragt, ob er sich eine Tätigkeit "in einer Position mit erheblichen Verantwortungen" vorstellen könnte, berichtet das "Wall Street Journal" weiter. Der aktuelle Chef von Rosneft Igor Setschin, ein Putin-Vertrauter und Ex-Geheimdienst-Offizier, habe Evans vorgeschlagen, um den Ruf des Staatsunternehmens aufzupolieren.

Nach den russischen Plänen sollte Evans dabei behilflich sein, die bislang abgeschottete Firma auf den für 2006 geplanten internationalen Börsengang vorzubereiten. Rosneft hatte sich Ende 2004 das Kernstück des Konkurrenten Jukos, den Ölförderer Juganskneftegas, einverleibt und war dadurch zum viertgrößten Ölkonzern Russlands aufgestiegen.



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