Korruptionsaffäre Ex-Siemens-Mitarbeiter packt aus

Ein früherer Siemens-Mitarbeiter hat gestanden, dass Schmiergelder geflossen sind, um Aufträge für Siemens zu gewinnen. Demnach wurden sogar eigens Tarnfirmen gegründet, um Millionensummen in dunkle Kanäle zu verschieben. Offenbar floss mehr Geld als bislang bekannt.

München - In der Schwarzgeld-Affäre bei Siemens   hat einer der Beschuldigten einem Zeitungsbericht zufolge Schmiergeldzahlungen zugegeben. Ein langjähriger Angestellter habe bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, Siemens habe den früheren Präsidenten von Nigeria, Sani Abacha, bestochen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Der frühere Siemens-Beschäftigte habe ausgesagt, in Afrika und anderen Teilen der Welt sei es oftmals nur mit Sonderzahlungen möglich, Aufträge zu bekommen. Bei diesem Beschuldigten handle es sich um einen der sechs früheren oder aktiven Mitarbeiter, die inzwischen in Untersuchungshaft säßen.

Der Ex-Angestellte hatte dem Bericht zufolge nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hohe Beträge aus dem Konzern in schwarze Kassen geleitet und anschließend an Konzern-Manager weitergereicht. Diese verfügten schließlich über Millionensummen, die nicht in den Siemens-Büchern auftauchten und konnten mit diesem Geld operieren. Der frühere Siemens-Angestellte gilt bei den Ermittlern bislang als Mittelsmann bei diesen Transaktionen. Er soll ausgesagt haben, dass aus schwarzen Kassen in Österreich Schmiergeld nach Nigeria geflossen sei. Anfang des Jahrzehnts habe aber die Gefahr bestanden, dass die geheimen Konten in Österreich von Staatsanwälten aus der Schweiz entdeckt werden könnten.

Die Staatsanwaltschaft in Genf habe damals wegen hoher Schmiergeldzahlungen an den inzwischen verstorbenen Präsidenten von Nigeria, Abacha, ermittelt. Ein Teil dieses Schmiergeldes habe von Siemens gestammt, wurde der Beschuldigte zitiert.

Schweizer Staatsanwälte und die Eidgenössische Bankenkommission hatten Ende der neunziger Jahre einen harten Kurs im Kampf gegen Geldwäsche eingeschlagen. Neue Gesetze zwangen die Banken, verdächtige Konten offenzulegen. Dabei wurde auch offenbar, in welchem Ausmaß der 1998 verstorbene Abacha Geld auf Schweizer Privatkonten umgeleitet hatte.

Der langjährige Siemens-Mitarbeiter nannte der Staatsanwaltschaft in München dem Bericht zufolge auch Zahlen zu den schwarzen Kassen in Österreich. Allein über Konten in Salzburg seien 75 bis 100 Millionen Euro pro Jahr geflossen, und das über einen längeren Zeitraum in den neunziger Jahren. Bislang sprechen Ermittler von 200 Millionen Euro, die insgesamt veruntreut wurden.

Beunruhigt durch die Ermittlungen der Staatsanwälte in Genf habe man dann die Konten in Österreich nicht weiter betrieben, sondern ein neues System eingerichtet, sagte der Ex-Siemens-Mann. Über Scheinrechnungen und Tarnfirmen sind nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler anschließend Millionenbeträge in die Schweiz verschoben worden.

kaz/AFP

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