Korruptionsaffäre KPMG schiebt Schuld auf Siemens

Der Siemens-Konzern soll versucht haben, undurchsichtige Geldströme vor seinen Wirtschaftsprüfern zu vertuschen, meldet die "Süddeutsche Zeitung". Die Blockade soll ausgerechnet von der eigentlich für Anti-Korruption zuständigen Compliance-Abteilung ausgegangen sein.

München - Bislang haben sie geschwiegen, doch jetzt packen sie aus: Siemens habe im April 2006 eine konzerninterne Finanzprüfung gestoppt, sagte ein Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG als Zeuge bei der Münchner Staatsanwaltschaft aus. Das berichtet die "Süddeutschen Zeitung" heute. Außerdem habe Siemens Nachforschungen der KPMG abwürgen wollen, so der Verdacht des Zeugen.

Danach hätten Verwaltungsratsmitglieder der Intercom Anfang 2006 eine Untersuchung veranlasst. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG wollten daraufhin einen Sonderbericht mit dem Titel "Opera" anfertigen. Die für Korruptionsbekämpfung zuständige Siemens-Abteilung Compliance habe aber die Arbeit der KPMG monatelang blockiert und sogar den Auftrag erteilt, "Opera" nicht fertigzustellen. KPMG habe Einwände vorgetragen, sei bei Compliance jedoch auf taube Ohren gestoßen.

KPMG hat jahrelang für Siemens gearbeitet, geriet im Zuge der Schmiergeldaffäre bei Siemens aber auch in die Kritik, nicht hinreichend geprüft zu haben. Inzwischen sieht sich der krisengeschüttelte Elektrokonzern nach einem neuen Wirtschaftsprüfer um. Für das laufende Geschäftsjahr soll zwar noch einmal KPMG das Testat ausstellen, für das Geschäftsjahr 2008/2009 wird der Auftrag aber neu ausgeschrieben. Eine Schuld an der Misere gibt Siemens KPMG aber ausdrücklich nicht.

Ein Siemens-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" äußern und verwies auf die laufenden Ermittlungen und Untersuchungen. Auch eine KPMG-Sprecherin wollte keinen Kommentar abgeben. Der Schmiergeldskandal bei Siemens   war mit einer Großrazzia im November 2006 publik geworden. Seitdem werden ständig neue Details der Affäre bekannt.

Fragwürdige Zahlungen zwischen 2002 und 2006

Über eine Schweizer Tochter des Konzerns seien bereits zwischen 2002 und Anfang 2006 fragwürdige Zahlungen in Höhe von 43,5 Millionen Schweizer Franken (rund 26 Millionen Euro) geflossen, berichtete der SPIEGEL am Wochenende. Betroffen sei vor allem die ehemalige Mobilfunksparte (ICM) des Konzerns. Dies gehe aus einem bisher unveröffentlichten Bericht von KPMG hervor, die Anfang 2006 die Intercom durchleuchten sollte.

Nach Erkenntnissen der KPMG habe Intercom hauptsächlich die Aufgabe gehabt, Beraterverträge mit dubiosen Geschäftspartnern zu verwalten, heißt es im SPIEGEL. Mutmaßliche Siemens-Schmiergelder seien dem 119-seitigen Bericht zu Folge über die Intercom mit Hilfe von Briefkastenfirmen in Liechtenstein, Panama und den British Virgin Islands an Empfänger in aller Welt geschleust worden.

sam/dpa-AFX

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