Korruptionsaffäre MAN-Hauptbeschuldigter wieder auf freiem Fuß

Gegen hundert Mitarbeiter des MAN-Konzerns wird ermittelt - der Hauptbeschuldigte in der Korruptionsaffäre ist nach SPIEGEL-Informationen wieder auf freiem Fuß. Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft besonders intensiv Nutzfahrzeug-Aufträge in einigen Mittelmeerstaaten.


Hamburg - Knapp zwei Wochen war er in Untersuchungshaft: Nun ist nach Informationen des SPIEGEL der einzige länger Inhaftierte unter den über hundert Beschuldigten nach der Razzia beim Münchner MAN-Konzern wieder auf freiem Fuß. Der führende Mitarbeiter der MAN-Nutzfahrzeugtochter in der Niederlassung Köln soll den Inhabern eines Speditionsunternehmens im Großraum Aachen zwischen 2002 und 2005 mehrere hundert Fahrzeuge verkauft und dafür Provisionen gewährt haben. Nach dem Gesetz und den MAN-Regularien ist das verboten.

An den Durchsuchungen beteiligten sich rund 300 Polizeibeamte aus allen Bundesländern, davon alleine 80 am Konzernsitz in München, sowie 100 Steuerfahnder und 26 Staatsanwälte. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sowie Steuerhinterziehung, so die Staatsanwaltschaft.

Besonders intensiv prüfen die Ermittler auch Stadtbusaufträge in diversen Mittelmeer-Anrainerstaaten wie Griechenland, Italien oder der Türkei. Dort sollen MAN-Statthalter Amtsträger bestochen haben, um Konkurrenten auszubremsen.

Die fragwürdigen Zahlungen fielen intern offenbar zunächst nicht auf, da die MAN-Verkäufer behaupteten, eingeschaltete Berater vor Ort hätten für das Geld entsprechende Gegenleistungen erbracht. Deshalb scheute sich das Unternehmen auch nicht, die Kosten im Rahmen der Steuererklärung geltend zu machen.

Genau das wurde dem Konzern nun zum Verhängnis, da sich einige der Vermittler das Geld angeblich auf Konten in exotischen Ländern wie den Bahamas oder Cayman Islands überwiesen ließen. Einige MAN-Aufsichtsräte drängen nun auf eine Sondersitzung des Gremiums, um sich ein Bild über das Ausmaß der Affäre zu machen.

flo



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