Korruptionsaffäre Siemens-Aufsichtsräte wollen von Pierer belangen

Wird ermittelt oder nicht? Die Staatsanwaltschaft München entscheidet heute, ob sie ein Verfahren gegen den Ex-Siemens-Aufsichtsratschef von Pierer einleitet. Außerdem prüft der Aufsichtsrat, ob er Schadensersatz vom ehemaligen "Mr. Siemens" fordern kann.


München - Es wird langsam eng für Heinrich von Pierer: In der Siemens-Schmiergeldaffäre muss der ehemalige Vorstandsvorsitzende und langjährige Aufsichtsratschef mit eventuellen Schadensersatzforderungen von Seiten des Unternehmens rechnen. Dem Siemens-Aufsichtsrat seien mindestens drei Korruptionsfälle vorgelegt worden, in denen von Pierer nicht ordnungsgemäß gehandelt und seine Pflichten damit verletzt habe, erfuhr das "Handelsblatt" aus Kreisen des Kontrollgremiums.

Ex-Siemens-Aufsichtsrat von Pierer: Konzern prüft Schadensersatzforderungen
AP

Ex-Siemens-Aufsichtsrat von Pierer: Konzern prüft Schadensersatzforderungen

Ob von Pierers mögliche Pflichtverletzungen auch ein Strafverfahren tragen, blieb zunächst offen. Theoretisch gilt der Zeitung zufolge auch als denkbar, dass Pierer nur mit Konsequenzen unterhalb eines Strafverfahrens rechnen muss, falls die Hinweise auf Korruptionsvergehen nicht ausreichen sollten.

Aufsichtsratskreise betonten laut dem "Handelsblatt", das Unternehmen müsse Schadensersatz einfordern, sobald Aussichten dafür bestehen. Andernfalls würden die Kontrolleure selbst ihre Pflichten verletzen. Derzeit überprüfe eine der führenden deutschen Kanzleien, Heinerle Müller, im Auftrag von Siemens Chart zeigendie Sachverhalte, schreibt die Zeitung weiter. Der oberste Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Andreas Pohlmann, hatte bereits angekündigt, Siemens bereite Schadensersatzklagen vor; konkrete Namen nannte der Konzern bislang aber keine.

Die Staatsanwaltschaft München I will am Freitag bekanntgeben, ob ein Ermittlungsverfahren gegen von Pierer eingeleitet wird. Zwei Siemens-Manager hatten schwere Vorwürfe gegen Pierer erhoben, er soll Angestellte des Konzerns zu Schmiergeldzahlungen aufgefordert haben. Der frühere Vorstandschef bestreitet jede Verwicklung in die Affäre. Bisher wird gegen 270 Beschuldigte ermittelt.

sam/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.