Korruptionsbekämpfung Kontoabgleich bei Airbus beschäftigt Datenschützer

Airbus droht ein Datenskandal nach Bahn-Vorbild: Der Flugzeugbauer hat zur Korruptionsbekämpfung Kontoinformationen von Mitarbeitern und Zulieferern abgeglichen. Datenschützer wollen das Verfahren jetzt möglicherweise überprüfen.


Hamburg - Der Kontoabgleich bei Airbus besorgt Datenschützer: Sein Amt prüfe, ob es als Aufsichtsbehörde für den Fall zuständig sei, sagte der stellvertretende Hamburger Datenschutzbeauftragte Hans-Joachim Menzel am Donnerstag. Dazu stehe die Behörde in Kontakt mit dem Flugzeugbauer.

Airbus-Mitarbeiter (in Hamburg): Kontodaten verglichen
DDP

Airbus-Mitarbeiter (in Hamburg): Kontodaten verglichen

Die EADS-Tochter Chart zeigen Airbus hatte am Mittwoch erklärt, dass im Rahmen einer unternehmensinternen Analyse von 2005 bis 2007 die Kontonummern der rund 20.000 Mitarbeiter mit den Kontonummern von Zuliefererunternehmen verglichen worden seien. Damit sollte mögliche Korruption im Unternehmen aufgedeckt werden.

"Ein interner Datenvergleich ist zum damaligen Zeitpunkt als rechtlich zulässig angesehen worden", teilte Airbus mit. Der Abgleich der Kontonummern blieb indes ergebnislos. Es wurde kein Fehlverhalten von Mitarbeitern festgestellt. Daraufhin habe man die Überprüfung Mitte 2007 beendet, erklärte das Unternehmen.

Datenschützer wollen den Vorgang jetzt dennoch genauer unter die Lupe nehmen. Sollte das Amt den Kontenabgleich tatsächlich überprüfen und sollten sich dabei Verstöße gegen Bestimmungen des Datenschutzes ergeben, könnte Airbus eine Ordnungswidrigkeit begangen haben.

Gegen Betriebsvereinbarung verstoßen

Nach gegenwärtigem Stand hat Airbus zumindest gegen eine Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 1997 verstoßen, nach der zunächst die Zustimmung des Betriebsrats zum Datenabgleich hätte eingeholt werden müssen. Die Arbeitnehmer wurden jedoch erst nachträglich 2008 informiert. Der Chef von Airbus Deutschland, Gerald Weber, hat sich nach Angaben des Betriebsrats bei den Arbeitnehmern dafür entschuldigt.

Ähnliche Fälle hatte es zuvor bei der Telekom und der Deutschen Bahn gegeben. Generell sei der Datenschutz von Arbeitnehmern ein Thema, das die Beauftragten in Bund und Ländern schon seit langem beschäftige, sagte Menzel. Dazu gehöre auch die Videoüberwachung.

Die Datenschützer fordern ein spezielles Arbeitnehmerdatenschutzgesetz, in dem festgelegt wird, mit welchen Maßnahmen Unternehmen sich gegen Korruption oder Diebstahl schützen können, ohne die Rechte ihrer Arbeitnehmer zu verletzen.

suc/dpa-AFX



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