Korruptionsskandal bei Siemens Aufseher wollen externe Prüfer

In der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens will der Aufsichtsrat des Konzerns laut einem Zeitungsbericht den Einsatz externer Prüfer durchsetzen. Wirtschaftsexperten raten unterdessen dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Pierer zum Rücktritt - als früherer Konzernchef könne er in Interessenskonflikte geraten.


München - Ohne Hilfe von außen sei die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt, sagte ein Mitglied des Siemens-Aufsichtsrats der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). Das Gremium könne bereits am Montag einen entsprechenden Auftrag erteilen, hieß es. Vorstandschef Klaus Kleinfeld befürworte das Vorgehen, wie aus Unternehmenskreisen verlaute. Unklar sei allerdings noch, welcher Zeitraum durchleuchtet werde.

Mittlerweile soll es in der Schmiergeld-Affäre sechs Geständnisse von aktiven und ehemaligen Beschäftigten des Konzerns geben. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt etwa ein Dutzend Beschuldigte, rund 200 Millionen Euro veruntreut und damit Schmiergeld für Auslandsaufträge gezahlt zu haben. In der Affäre ermittelt die Sonderkommission "Netzwerk" des Landeskriminalamtes München, fünf Beschuldigte sitzen noch in Untersuchungshaft.

Unter Verweis auf mögliche Interessenkonflikte bei
der Aufklärung des Skandals haben Wirtschaftsexperten gegenüber dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) den Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren Vorstandschef Heinrich von Pierer aufgefordert, sein Amt niederzulegen. "Herr von Pierer ist an der Spitze des Aufsichtsrates nicht mehr haltbar, und das müsste er selbst auch erkennen", sagte Manuel Theisen, Professor für Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der Zeitung.

"Es besteht potenziell die Gefahr, dass Herr von Pierer in dieser Sache nicht so recherchiert wie es vielleicht ein anderer tun würde", zitierte das "Handelsblatt" dazu auch den Hamburger Wirtschaftsprofessor und Experten für Corporate Governance, Alexander Bassen. Die Zeitung vermerkte dabei, das weltweite System von schwarzen Kassen sei in einer Zeit aufgebaut worden, in der von Pierer Vorstandschef von Siemens gewesen sei. Theisen wie Bassen wiesen gegenüber der Zeitung auf die Empfehlung der Regierungskommission für den Kodex über gute Unternehmensführung hin, wonach Vorstandschefs nach ihrer Amtszeit nicht die Führung des Aufsichtsrats übernehmen sollten.

Belegschaftsaktionäre des Konzerns kündigten unterdessen an,
Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung im Januar die Entlastung zu verweigern. Zusätzlich forderten die Belegschaftsaktionäre des Konzerns schärfere Kontrollen. "Siemens war noch nie in einer so dramatischen Lage wie heute", sagte der Vorsitzende des Vereins von Belegschaftsaktionären, Manfred Meiler, dem "Tagesspiegel"
(Montagausgabe). Die BenQ-Pleite, die 30-prozentige Erhöhung der Vorstandsgehälter und die Korruptionsaffäre hätten dem Konzern einen "unermesslichen Imageschaden" zugefügt. Daher könne die Siemens-Führungsriege für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht entlastet werden.

Der finnische Handy-Konzern Nokia will unterdessen an der
geplanten Zusammenarbeit mit Siemens bei Netzwerken auch angesichts der Korruptionsaffäre festhalten. Nokia-Sprecherin Arja Suominen sagte der dpa zu der für das kommende Jahr geplanten Zusammenlegung der Netzwerksparten: "Die Integration geht weiter." Nokia beobachte die Entwicklung um Siemens sehr genau. "Wir kommentieren aber grundsätzlich keine Gerüchte. Und mehr gibt es bisher nicht in dieser
Angelegenheit." Auch ein Siemens-Sprecher erklärte: "Das Integrationsteam arbeitet völlig normal weiter. Wir gehen davon aus, dass die Arbeit des Joint Ventures wie geplant Anfang kommenden Jahres starten wird."

In einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"
hieß es, Siemens habe Juristen prüfen lassen, ob die Finnen
angesichts der Finanz-Affäre die Zusammenlegung der Sparten abblasen könnten. Das Ergebnis sei gewesen, dass Nokia im Lichte des Skandals durchaus Anhaltspunkte hätte, um die Partnerschaft anzufechten. Die schwarzen Kassen sollen im Siemens-Bereich Kommunikation (Com) gebildet worden sein, der zum 1. Januar teilweise in das Netzwerk-
Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia einfließen soll.

kai/dpa/AFP



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