Korruptionsvorwürfe Neuer Ärger für Volkswagen

Nach der Lustreisen-Affäre bei VW droht weiteres Ungemach für Europas größten Autobauer. Ein Einkaufsmanager der Konzerntochter Audi und ein inzwischen pensionierter Bereichsleiter von VW stehen im Verdacht, Schmiergeld des Lieferanten Faurecia kassiert zu haben.


Hamburg - Nach Informationen des SPIEGEL, soll der Audi-Mitarbeiter mindestens 160.000 Euro erhalten haben. Der einstige VW-Bereichsleiter soll Zahlungen von 139.000 Euro eingeräumt haben, die er in bar bekommen habe. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Bereits am Samstag hatte DER SPIEGEL in einer Vorabmeldung über den Fall berichet.

VW-Produktion (in Wolfsburg): Wieder Ärger durch Korruptionsvorwürfe
DPA

VW-Produktion (in Wolfsburg): Wieder Ärger durch Korruptionsvorwürfe

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des VW-Mitarbeiters fanden die Beamten 70.000 Euro in bar - versteckt im Heizungskeller. Als Gegenleistung soll er Faurecia bei der Vergabe von Aufträgen für die Innenausstattung von VW-Modellen bevorzugt haben.

Faurecia ist mit elf Milliarden Euro Umsatz einer der größten Zulieferer der Autoindustrie. Einkaufsmanager weiterer Autokonzerne, die möglicherweise ebenfalls kassiert haben, müssen noch mit ihrer Enttarnung rechnen. So berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass die Einkäufer mehrerer europäischer Autokonzerne bestochen wurden. Geld sei auch an einen Seat-Mitarbeiter geflossen. Zudem seien Mangern in der Automobilbranche die Wohnungseinrichtung, Bordellbesuche und Spendenpartys bezahlt worden.

Ein im Mai verhafteter Faurecia-Manager hat sich gegenüber den Ermittlern recht auskunftsfreudig gezeigt. Demnach soll er Jahr für Jahr einen beträchtlichen Teil der Schmiergelder von 600.000 bis 800.000 Euro weitergereicht haben, teilweise Bargeld im Briefumschlag, teilweise deklariert als außergewöhnliche Zahlung. Der Manager behauptete, er habe im Einverständnis mit der französischen Konzernzentrale gehandelt.

Faurecia-Anwalt Hanns Feigen sagte dem SPIEGEL, das Unternehmen sei "an einer schnellen Aufklärung interessiert" und unterstütze die Ermittlungen "nach Kräften".

Die neuen Korruptionsvorwüfe sorgen für erheblichen Unmut bei Europas größtem Autobauer: Schon im vergangenen Jahr war Volkswagen wegen Lustreisen, einer Korruptionsaffäre und einem engmaschigen Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen Gewerkschaftern, Politikern und Top-Managern in die Schlagzeilen geraten. In die Affäre war auch der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz verstrickt. Ihm droht eine Anklage wegen Untreue.

tim/AFP

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