Korruptionsvorwurf Bande plünderte Siemens

Die Schmiergeldaffäre bei Siemens nimmt ungeahnte Dimensionen an. Die Staatsanwaltschaft in München schätzt den Schaden mittlerweile auf 200 Millionen Euro und spricht von Bandenbildung innerhalb des Konzerns. Zwei weitere Verdächtige wurden heute verhaftet.

München - Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte mit, die heute festgenommenen Siemens-Manager seien in der internen Revision und im Rechnungswesen tätig. Die inzwischen sechs in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten hätten sich "zu einer Bande zusammengeschlossen", um "Untreuehandlungen zum Nachteil der Firma Siemens durch die Bildung schwarzer Kassen im Ausland zu begehen", sagte der Leitende Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Ein Beschuldigter wurde gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Der Schaden betrage rund 200 Millionen Euro, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit. Damit wird der Schaden von den Behörden rund zehnmal höher eingeschätzt als zu Beginn der Ermittlungen. Erkenntnisse über den Verbleib der veruntreuten Gelder lägen bislang nicht vor.

In der vergangenen Woche waren im Rahmen der Ermittlungen auch die Büros von Siemens-Vorstandsmitgliedern durchsucht worden, darunter von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Die Staatsanwaltschaft und der Konzern betonten jedoch, dass die Vorstände als Zeugen, nicht als Beschuldigte gesehen würden.

Mehrere Mitarbeiter des Elektro-Konzerns stehen unter Verdacht, jahrelang Firmengeld in Millionenhöhe abgezweigt zu haben. Die Ermittler wollen herausfinden, ob und wie viel davon in etwaige Schmiergeldtöpfe für Auslandsgeschäfte floss. Nach SPIEGEL-Informationen lagen der Siemens-Führung bereits vor rund einem Jahr Hinweise auf Untreuevorwürfe gegen Manager ihrer Kommunikationssparte vor.

Die Vernehmungen der Verhafteten dauerten an. Bei Durchsuchungen von Büros seien rund 36.000 Ordner mit laufenden Geschäftsunterlagen und Archivmaterial sowie umfangreiche Dateien beschlagnahmt worden. Sie würden jetzt vom Bayerischen Landeskriminalamt ausgewertet. Weitere Informationen werde die Staatsanwaltschaft frühestens am 4. Dezember veröffentlichen.

Einer der Beschuldigten ist nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ein früherer Landeschef der Sparte Com, von dem sich Siemens im April geräuschlos getrennt habe. Ein Siemens-Sprecher bestätigte das Ausscheiden des Managers, machte aber mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Angaben. Dem Bericht zufolge prüfen die Ermittler, ob die Schwarzgeldkonten beispielsweise auch zur Bestechung bei Großprojekten wie den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen dienten.

kaz/AP/Reuters/dpa

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