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17. Februar 2009, 12:45 Uhr

Kosmetikriese

L'Oréal verhängt erstmals seit 30 Jahren weltweiten Einstellungsstopp

Der weltgrößte Kosmetikkonzern muss sparen: L'Oréal stellt weltweit keine Mitarbeiter mehr ein und will nun auch noch Stellen streichen. Beim Umsatz und Gewinn verfehlte das französische Unternehmen seine Ziele - und blickt dennoch optimistisch in die Zukunft.

Paris - Die Wirtschaftskrise führt auch bei der französischen Unternehmensgruppe L'Oréal zum Abbau von Arbeitsplätzen. Der weltweit tätige Konzern stelle praktisch nirgendwo mehr Mitarbeiter ein und komme um einen "bedeutenden" Stellenabbau nicht herum, sagte Unternehmenschef Jean-Paul Agon am Dienstag in Paris.

L'Oréal-Modelle (in Barcelona): Wimperntusche mit vibrierender Bürste
REUTERS

L'Oréal-Modelle (in Barcelona): Wimperntusche mit vibrierender Bürste

Eine solche Maßnahme habe es bei L'Oréal seit gut 30 Jahren nicht gegeben. Zusammen mit der im Herbst angekündigten Schließung von zwei Werken - in Monaco und Großbritannien - sei ein "schrittweiser, aber beträchtlicher" Abbau von Arbeitsplätzen zu erwarten.

Durch den Wirtschaftsabschwung seit September brach der Gewinn bei L'Oréal im Geschäftsjahr 2008 um gut ein Viertel ein, wie das Unternehmen mitteilte. Das Ergebnis ging demnach um knapp 27 Prozent auf 1,948 Milliarden Euro zurück. Auch das Umsatzziel verfehlte der Konzern: Zwar stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 17,54 Milliarden Euro, im Herbst hatte L'Oréal aber noch ein Wachstum von etwa vier Prozent angepeilt - nachdem es 2007 einen Zuwachs von gut acht Prozent verzeichnet hatte.

Konzernchef Agon sieht trotz Rezession keine Krisenstimmung am Kosmetikmarkt. Weltweit dürfte der Markt sich auch 2009 "im positiven Terrain halten", sagte er der "Financial Times". Und L'Oréal wolle besser abschneiden als die Branche. "Wir glauben, dass es gerade in Krisenzeiten wichtig ist, gut auszusehen."

Agon sagte der Zeitung, künftig werde L'Oréal stärker auf preiswertere Produkte setzen und die vielen Produktvariationen seiner Marken zusammenstreichen. Zugleich seien Produktinnovationen wichtiger denn je: "Wenn man etwas wirklich Außergewöhnliches hat, sind die Leute auch bereit, dafür zu bezahlen." Als Beispiel nannte er den Erfolg einer neuartigen Wimperntusche, die mit einer vibrierenden Bürste aufgetragen wird.

Stärker vertreten sein will der Konzern Agon zufolge künftig in Fachgeschäften, aber zunehmend auch in Discountern wie Lidl. Auch das Internet sowie das Home Shopping will der französische Konzern verstärkt als Absatzkanäle nutzen.

Die Unternehmensgruppe, zu der Marken wie Garnier, Maybelline, Kérastase und Redken gehören, beschäftigte Ende vergangenen Jahres rund 67.700 Mitarbeiter weltweit.

kaz/AFP/dpa-AFX

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