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IT Kosten für Microsoft-Softwarelizenzen des Bundes seit 2015 fast verfünffacht

aus DER SPIEGEL 9/2022

Die rund 500.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesverwaltung arbeiten mit Software von Microsoft, und diese Abhängigkeit wird immer teurer. Überwies der deutsche Staat 2015 noch jährlich 43 Millionen Euro für Software, Serverdienste und Wartung, waren es im vorigen Jahr bereits mehr als 205 Millionen Euro. Gegenüber 2020 betrug die Kostensteigerung knapp 15 Prozent, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Haushaltspolitikers Victor Perli (Linke) hervorgeht. Demnach bilden das Verteidigungs­ministerium mit 95 Millionen Euro sowie das Finanzressort (rund 43 Millionen) und das Bundes­innenministerium (32 Millionen) die größten Einzelposten. Eine vom Innen­ministerium beauftragte Marktanalyse hatte 2019 bereits die hohe Abhängigkeit von Microsoft-Produkten kritisiert und »dringenden Handlungsbedarf« festgestellt. Zudem hatte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz im vorigen Jahr allen Nutzerinnern und Nutzern in der Bundesverwaltung neue Vorgaben im Umgang mit Microsoft-Produkten gemacht – um zu verhindern, dass Nutzungsdaten an Microsoft abfließen. Auf Hunderten Rechnern sind diese Anforderungen noch nicht umgesetzt, wie aus der Antwort hervorgeht. »Microsoft nutzt seine Monopolstellung aus und diktiert der Bundesregierung die Preise«, kritisiert Perli. »Mehr Datensouveränität erreicht man nur mit mehr eigener quelloffener Software, die häufig qualitativ gleichwertig oder sogar besser ist.« Auch der neue Standardarbeitsplatz in der Bundesverwaltung (»Bundesclient«) basiert auf Microsoft-­Produkten. Zudem will der Konzern zusammen mit SAP und Arvato künftig auch eine Verwaltungs-Cloud anbieten, wobei die Daten in Deutschland liegen sollen. Im Innenministerium heißt es, dass man Open-Source-Alternativen prüfe – eine solche Arbeitsplatzlösung des Dienstleisters Dataport werde derzeit auf 150 Verwaltungsrechnern erprobt. Für die Cloud will der Bund künftig mehrere Anbieter nutzen – auch Google im Verbund mit T-Systems hat bereits Interesse signalisiert. Zudem werde Open-Source auch in der Cloud-Strategie »eine prominente Rolle einnehmen«, so das Minis­terium. Als möglicher Anbieter dafür wird die United-Internet-Tochter Ionos gehandelt.

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