Kostenprobleme DaimlerChrysler will PT-Cruiser-Werk loswerden

Erst fünf Monate ist es her, dass DaimlerChrysler in Graz die Produktion des "Gangsterautos" PT Cruiser startete. Nun will der Konzern das Werk mit 2000 Beschäftigen komplett verkaufen. Der Cruiser wird künftig nur noch billig in Mexiko gebaut.

Stuttgart/Graz - Im Juli 2001 war das Werk in Graz mit viel Tam-Tam eröffnet worden. Schließlich sollte das amerikanische Erfolgsauto im Retro-Design verstärkt auch diesseits des Atlantiks angepriesen und verkauft werden. Da passte ein europäischer Produktionsstandort gut ins Bild.

Doch offenbar hat Jürgen Schrempps Top-Sanierer, der Chrysler-Chef Dieter Zetsche, einen Sanierungsfall geschaffen: Die Produktion des Cruiser soll wieder komplett in die mexikanischen Fabriken des deutsch-amerikanischen Konzerns verlagert werden. Dort lässt sich der Cruiser für etwa 2000 Dollar weniger bauen als im Hochlohnland in den Alpen. Das allerdings dürfte den Chrysler-Chefs schon vor fünf Monaten bekannt gewesen sein.

600 Jobs hin, 600 Jobs her

"Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung. Es ist effizienter, die Produktion des PT Cruiser für alle Märkte an einem Ort zu bündeln", betonte ein Konzern-Sprecher. Den Ausschlag dafür habe die wirtschaftliche Öffnung Mexikos in den vergangenen Monaten gegeben. Auch damit hätte Chrysler nach den Worten von Branchenexperten aber rechnen können.

Neben dem Cruiser wird auch der Voyager im österreichischen Eurostar-Werk hergestellt. Über den Erhalt der 2000 Arbeitsplätze gibt es noch keine konkreten Aussagen. Für den Bau des PT Cruiser wurden eigens 600 Jobs neu geschaffen. Offenbar haben nun die Gespräche über den Verkauf des Werkes recht konkrete Formen angenommen. DaimlerChrysler bestätigte am Mittwoch, dass mit dem Zulieferer Magna Steyr verhandelt werde.

In diesem Jahr kommen insgesamt 18.000 Einheiten des Cruiser-Modells aus Graz. Die Produktion des Minivans Voyager soll nach dem Verkauf des Werks in ein benachbartes Werk in Graz verlegt werden, das bereits Magna Steyr gehört. Dort werden auch Modelle des Jeep Grand Cherokee und der geländegängigen Mercedes-Benz-M-Klasse und -G-Klasse gebaut.

Der DaimlerChrysler-Gesamtbetriebsrat wollte am Mittwoch keine Stellung nehmen. Aus Branchenkreisen verlautete jedoch, dass Magna Steyr in Graz künftig Autos anderer Autohersteller produzieren wolle. Das Unternehmen gehört zum kanadischen Autozulieferer Magna International. Magna hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die geplante Fusion der Steyr-Gruppe mit dem ebenfalls kanadischen Zulieferer Tesma International auf Grund des geplanten Verkaufs des Eurostar-Werks abgesagt wurde.

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