Gesetzliche Krankenversicherung Chef der Techniker rechnet mit deutlich steigenden Beiträgen

Mehrausgaben gegen die Corona-Pandemie, sinkende Beitragseinnahmen und mehr Leistungen sorgen für ein Milliardenloch bei den gesetzlichen Krankenkassen, sagt der Chef der Techniker Krankenkasse – und prognostiziert deutlich steigende Beiträge ab 2022.
Gesetzliche Krankenversicherung: Milliarden-Deckungslücke

Gesetzliche Krankenversicherung: Milliarden-Deckungslücke

Foto: Daniel Karmann / dpa

Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, rechnet für 2022 mit einem kräftigen Anstieg der Kassenbeitragssätze. Man müsse davon ausgehen, dass die gesetzliche Krankenversicherung im kommenden Jahr vor einer Finanzierungslücke von mindestens 16 Milliarden Euro stehen werde, »wahrscheinlich eher mehr«, sagte Baas dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Schon weil eine neue Koalition nach einer Regierungsbildung nur wenig Zeit zum Handeln habe, würden die Beitragssätze Anfang 2022 kräftig steigen, so Baas. Dann werde »die erklärte Obergrenze von 40 Prozent bei den Sozialabgaben gerissen«.

Gründe für die Ausgabensteigerungen sind laut dem TK-Chef erwartete Mindereinnahmen bei den Beiträgen durch die wirtschaftliche Lage vieler Menschen, gleichzeitig trieben teurere Behandlungen und Therapien die Ausgaben weiter nach oben. Alle Reserven bei den Krankenkassen seien Ende 2021 jedoch aufgrund politischer Eingriffe aufgebraucht.

Erneut Milliardensummen aus Steuermitteln in die Krankenversicherung zu pumpen, werde wegen der angespannten Haushaltslage schwierig sein, sagte Baas: »Bleiben massive Kürzungen bei den Leistungen, höhere Zuzahlungen der Versicherten oder erneute verpflichtende Rabatte bei den Arzneimitteln.«

Um die Finanzierungslücke von 16,6 Milliarden Euro zu schließen, will der Bund fünf Milliarden Euro zuschießen. Acht Milliarden sollen die Kassen selbst tragen, der Rest durch höhere Zusatzbeiträge aufgefangen werden.

Schon zum Jahreswechsel haben etliche Kassen davon Gebrauch gemacht. Mindestens 17 Versicherer verlangen von ihren 29 Millionen Versicherten ab heute mehr Geld. Experten rechnen in den nächsten Tagen mit weiteren Beitragsanpassungen nach oben. Das Bundesgesundheitsministerium hatte den durchschnittlichen Zusatzbeitrag, den die Versicherten bezahlen, auf 1,3 Prozent erhöht.

sbo/Reuters
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