Gesetzliche Krankenversicherung Kassen machen drei Milliarden Euro Miese

Nach einem satten Überschuss im Sommer rutschen die gesetzlichen Versicherer in Deutschland im Herbst deutlich ins Minus. Am schlechtesten sieht es einem Medienbericht zufolge bei der AOK aus.
Gesundheitskarten verschiedener Kassen: "Das dicke Ende kommt erst noch"

Gesundheitskarten verschiedener Kassen: "Das dicke Ende kommt erst noch"

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance/dpa

Massenhafte Corona-Tests und nachgeholte Operationen aus dem Frühjahr drücken auf die Bilanz der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland: Im dritten Quartal dieses Jahres verbuchten Orts-, Ersatz- und Betriebs- und Innungskassen sowie Knappschaften ein Minus von drei Milliarden Euro. Das berichtet die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ).

Am schlechtesten lief es demnach laut den vorläufigen Zahlen bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK): minus 1,4 Milliarden Euro, gefolgt von den Ersatzkassen mit minus 1,2 Milliarden Euro. Bei den Innungskrankenkassen überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um mehr als 200 Millionen Euro. Bei den Betriebskrankenkassen betrug die Unterdeckung 150 Millionen Euro, in der Knappschaft waren es 52 Millionen Euro.

Insgesamt war das Minus in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) laut FAZ fast sechzehnmal so groß wie vor einem Jahr. Damals hatte es 193 Millionen Euro betragen. Im ersten Halbjahr hatten die 100 gesetzlichen Versicherer noch ein Plus von fast 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet: weil in der Corona-Pandemie teure Operationen und andere Behandlungen verschoben worden waren und weil sich deutlich weniger Patienten als sonst zum Arzt, in die Krankenhäuser, zum Physiotherapeuten oder in die Rehabilitation getraut hatten.

Martin Litsch, Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, sprach angesichts der Finanzentwicklung in der »FAZ« von Corona-bedingten »heftigen Schwankungen«. Klar sei aber, »dass wir in diesem Jahr mit einem Minus abschließen werden, und dass das dicke Ende für die gesetzliche Krankenversicherung erst noch kommt.«

Erst vor wenigen Wochen hatte der AOK-Bundesverband vor einer möglichen Verdoppelung der Zusatzbeiträge zur GKV gewarnt, sollte die Bundesregierung bei den Corona-Hilfen nicht deutlich nachlegen. Der von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesagte höhere Bundeszuschuss von einmalig fünf Milliarden Euro reiche bei Weitem nicht aus, um die für 2021 vorhergesagte Finanzlücke von mehr als 16 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung zu decken, so Litsch damals.

sbo