Krankenkassen-Plan Wer Praxisgebühr nicht zahlt, wird bestraft

Die Krankenkassen wollen Patienten bestrafen, wenn sie die ab 2004 fällige Praxisgebühr von zehn Euro nicht zahlen. Die Kassen drohen sogar damit, im Extremfall künftig die Arztrechnung nicht mehr zu übernehmen.


Patient bei der Pflege: Inkassounternehmen sollen Praxisgebühr und Rechungsbetrag eintreiben
DPA

Patient bei der Pflege: Inkassounternehmen sollen Praxisgebühr und Rechungsbetrag eintreiben

Berlin - Demnach müssten Ärzte nur ein Mahnschreiben versenden, wenn der Patient die Praxisgebühr nicht zahle, sagte Thomas Ballst vom Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) der Tageszeitung "Die Welt". Später sollten sich die Kassenärztlichen Vereinigungen einschalten. Diese dürften sogar Inkasso-Unternehmen mit dem Einzug von Praxisgebühr und Rechnungsbetrag beauftragen. "Weitere Inkassoleistungen sind einer Praxis nicht zuzumuten", sagte Ballst. Die Versicherer seien sich darin mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung grundsätzlich einig.

In der Diskussion ist dem Bericht zufolge eine Frist von zehn Tagen, in der die einmal im Quartal fällige Gebühr bezahlt sein muss. Danach würden Behandlungskosten fällig. Über die genauen Regelungen wollten in dieser Woche Kassen- und Ärztevertreter verhandeln. In der Ärzteschaft sei die Bestrafung noch umstritten.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt kritisierte unterdessen den Widerstand der Ärzte gegen die Einführung der Praxisgebühr. Die Idee dazu sei entstanden, nachdem die Union die Patienten mit zehn Prozent an jeder Leistung beteiligen wollte, sagte sie der "Sächsischen Zeitung". Während die Koalitionsparteien dies abgelehnt hätten, hätten die Ärzte den Vorschlag unterstützt. "Zehn Prozent hätten sie genommen, zehn Euro wollen sie jetzt nicht einziehen", kritisierte Schmidt.

Sie sei überzeugt, dass die Diskussion über die Praxisgebühr spätestens im März beendet sein werde, sagte Schmidt. "Etwas Neues wird immer erst abgewehrt", sagte sie. Es sei richtig, dass die Ärzte ihre Patienten bereits jetzt darauf hinwiesen, dass sie im nächsten Jahr zum ersten Termin neben der Versichertenkarte auch zehn Euro mitbringen müssten. "Wenn sie in die Apotheke gehen, nehmen sie auch Geld mit." Allerdings dürfe kein Arzt einen Notfall abweisen, weil der Patient die zehn Euro nicht dabei habe.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.